The Amazing Spider-Man
Action, USA 2012, 136 Minuten, ab 12
Originaltitel: The Amazing Spider-Man; Deutschlandstart: 28.06.2012 (Sony Pictures); Regie: Marc Webb; Produktion: Avi Arad, Michael Grillo u.a.; Drehbuch: James Vanderbilt, Alvin Sargent, Steve Kloves nach dem Marvel-Comic von Stan Lee und Steve Ditko; Musik: James Horner; Kamera: John Schwartzman; Schnitt: Alan Edward Bell, Michael McCusker, Pietro Scalia

mit Andrew Garfield (Spider-Man / Peter Parker), Emma Stone (Gwen Stacy), Rhys Ifans (The Lizard / Dr. Curt Connors), Denis Leary (Captain Stacy), Martin Sheen (Onkel Ben), Sally Field (Tamte May), Irrfan Khan (Rajit Ratha), Campbell Scott (Richard Parker), Embeth Davidtz (Mary Parker), Chris Zylka (Flash Thompson) u.a.

Filmplakat
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Trailer ()
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Peter findet bei Onkel und Tante eine Tasche seines Vaters..
Plötzlich entwickelt er ungeahnte Fähigkeiten. Mit dem Lizard hat Spider-Man einen starken Gegner. Spidy kommt auch bei den Mädels gut an.

Du bist deinem Vater sehr ähnlich. Das bist du wirklich, Peter. Und das ist was gutes. Aber dein Vater lebte nach einer Philosophie, nach einem Prinzip. Er glaubte, dass... dass..., wenn man etwas tun kann, um Menschen zu helfen, dann hat man die moralische Pflicht, es auch zu tun. Und das steht hier auf dem Spiel: nicht die Wahl, sondern die Verantwortung. - Aus großer Kraft folgt für Peter auch hier eine große Verantwortung.

Plot: Um seinen Sohn Peter vor den Gefahren seiner geheimen Laborforschung zu beschützen, gibt Richard Parker (Campbell Scott) ihn zu seinem Onkel Ben (Martin Sheen) und Tante May (Sally Field), bei denen er aufwächst, ohne je wieder ein Wort von seinen Eltern zu hören. Im Highschoolalter ist Peter (Andrew Garfield) ein sympathischer Einzelgänger, auf dem gerne rumgehackt wird. Sein dummer, aber mutiger Einsatz für einen anderen Schüler beschert ihm aber die Aufmerksamkeit der hübschen Gwen Stacy (Emma Stone). Als Peter eine Tasche mit Fotos seines Vaters mit seinem Arbeitskollegen Curt Connors (Rhys Ifans) findet, schleicht er sich bei der Firma Oscorp ein, um den Geheimnissen seines Vaters auf die Spur zu kommen. Dort begegnet er nicht nur Gwen wieder, die dort Praktikantin ist, sondern gerät auch in ein Labor voller radioaktiver Spinnen. Durch eine Ungeschicklichkeit wird er von einer gebissen. Schon auf der Ubahnfahrt nach hause passiert Unerwartetes. Seine Sinne schärfen sich, seine Kraft und Geschicklichkeit vervielfältigt sich und ein Überfall durch eine Gang entscheidet sich ungeahnt schnell zu Peters Gunsten. Auch in der Schule scheint sich seine Lage zu verbessern, da er sich plötzlich gegen seinen Widersacher Flash (Chris Zylka) zur Wehr setzen kann. Ein zunächst gutes Gefühl, das ihm aber letztlich nur den Tadel seines Onkels einhandelt, der Rache durch Überlegenheit nicht gutheißen kann. Als sein Onkel wenig später von einem Ladendieb erschossen wird, sinnt Peter auf Rache und macht sich auf die Suche nach dem Täter, hat aber schon bald das Problem, dass ihn jeder erkennen kann, weswegen er sich eine Maske zulegt. Aus der Maske wird bald ein ganzes Kostüm und aus der Suche nach dem Mörder seines Onkels bald eine allgemeine Jagd auf Verbrecher. Doch so bekommt er gleich mehrere Probleme: Dr. Connors mutiert nach einem Selbstversuch mit einem biologischen Wirkstoff zu einer übermenschlichen Bestie und terrorisiert die Stadt; und der Polizeichef, der zu allem Überfluss auch noch Gwens Vater ist, hat eine Spezialeinheit auf den eigenmächtig handelnden "Spiderman" angesetzt.

Kritik: Ein Remake oder das Reboot eines Franchises hat zur Existenzberechtigung wenigstens einen Aspekt zu erfüllen: Alles bisher Bekannte neu zu interpretieren oder zumindest neue Aspekte zu beleuchten. Star Trek schaffte es 2009, einem ausgenudelten Universum neuen, frischen Wind zu verleihen und Kirk, Spock und Co. wieder so cool zu machen, dass sich sogar Heidi Klum bei der Deutschlandpremiere zu einem Spock-Gruß hinreißen ließ. Der Film wurde zum Batman Begins der Enterprise-Fangemeinde, einem schon beinahe stehenden Begriff für einen gleichermaßen notwendigen wie gekonnten Neuanfang eines Franchises, eine Rückkehr zu den Wurzeln und eine Aufbereitung für eine neue Generation. Dasselbe könnte man für Superman Returns und Planet der Affen behaupten. Und selbst David Finchers Verblendung machte nach nur zwei Jahren als meisterhafte Leinwandadaption gegenüber der eher durchschnittlichen TV-Kost des Originals unbedingt Sinn.

Wie sinnvoll es aber ist, nur zehn Jahre nach Spider-Man bzw. fünf Jahre nach dem dritten Teil schon ein Reboot zu wagen, ist die Frage. Tricktechnisch hat sich nicht viel verändert, von dem umstrittenen 3D-Hype einmal abgesehen, Monster konnte man auch schon "damals" überzeugend animieren. Und auch die dritte Dimension macht sich nicht wirklich bemerkbar. Gut, die Straßenschluchten sehen etwas spektakulärer aus und das Schlussbild wurde vermutlich nur gedreht, um uns daran zu erinnern, warum wir einen Preis-Aufschlag gezahlt haben. Davon abgesehen kann man den Film größtenteils ohne Brille schauen. Bliebe die neue Story, die wie eine forcierte Mischung aus dem ersten und dritten Teil wirkt und dem Versuch, irgendwie einen neuen Weg zu gehen. An dieser Stelle muss ich zu Protokoll geben, dass ich die Comics nie gelesen habe und nur die Filme kenne. Aber die Werbung des Trailers, die nicht erzählte Geschichte zu erzählen, kann nur als schöne Verpackung für ein im Prinzip unnötiges Produkt angesehen werden. Die ganze Geschichte mit Peters Ambitionen als Zeitungsfotograf wurde weggelassen, statt in Mary Jane Watson (damals mitreißend gespielt von Kirsten Dunst) verliebt sich Peter nun in Gwen Stacy, die im dritten Teil auftauchte, diesmal verkörpert von Hollywoods neuem Shootingstar Emma Stone. Alles in allem zwar eine irgendwie neue Herangehensweise, eine andere Erzählweise, dabei aber nichts Neues, nichts, was uns die Hauptfigur auf wirklich neue Weise näher bringen würde. Abgesehen davon, dass Andrew Garfield, der schon in The Social Network einen bleibenden Eindruck hinterließ, weniger milchgesichtig und hilfsbedürftig, sondern deutlich cooler wirkt als Tobey Maguire. Und auch Sally Field als Tante May und Martin Sheen als Onkel Ben sind tolle Neubesetzungen, kein Zweifel. Und selbst das Portrait des Widersachers Dr. Connors (großartig: Rhys Ifans), eher tragisches Opfer außer Kontrolle geratener äußerer Einflüsse als Bösewicht, wirkt nur wie ein komprimiertes Konglomerat dreier schon dagewesener Antagonisten der vorherigen Teile. Und selbst wenn man die Spinne an sich betrachtet, wird da zwar der Mechanismus zum Abschießen des Fadens vorgestellt, dann aber nicht weiter gezeigt oder erklärt, warum er nötig ist, wo Peter doch von der Spinne gebissen und zur "Herstellung" des Gewebes in der Lage ist. Da gefiel die Szene, in der Tobey Maguire auf dem Dach in Teil 1 erstmal herausfinden muss, wie das mit der Spinne am Faden eigentlich funktioniert, doch wesentlich besser.
Es liegt auf der Zunge zu sagen, "gewollt und nicht gekonnt", aber es trifft wohl eher das Gegenteil zu: Gekonnt und nicht gewollt. Alles in allem gar nicht schlecht, aber für ein Reboot viel zu früh und deswegen absolut unnötig! In zehn Jahren hätte das vielleicht Sinn ergeben, aber gerade haben wir noch den "alten" Spiderman im Gedächtnis, der soweit wunderbar war, einen neuen braucht die Welt noch nicht, trotz toller Neubesetzung. Diejenigen, die Sam Raimis Trilogie nicht gesehen haben, werden sich hier mit Sicherheit gut unterhalten, trotzdem sei hiermit die "normale" 2D-Version empfohlen, denn der 3D-Aufschlag ist eine zusätzliche Frechheit zur hier ohnehin vorliegenden reinen Geldmacherei!

Fazit: Ganz passabel, aber schlicht überflüssig! Spider-Man ist noch nicht alt genug, um neu aufgelegt werden zu müssen, die Story wirkt forciert, ohne wirklich Neues zu bieten. Der guten Darsteller wegen gibt es noch gerade 7 von 10 versehentlichen Prügeleien in der U-Bahn.

Nikolas Mimkes
06.07.2012

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553 Stimmen
Schnitt: 5
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Leser-Kommentare:
Danilo (19.07.12): @Nikolas: Eine richtig super geschriebene Kritik. Die beste, die ich bisher zu "The Amazing Spiderman" gelesen habe. Ich kann eigentlich in fast allen Punkten zustimmen. Auch ich fand den Film ganz passabel. Im Vergleich zu Sam Raimis Version würde ich aber sogar noch härter mit dem Neuaufguss ins Gericht gehen. Ich finde die Story und Charaktere deutlich seelenloser und oberflächlicher als in der alten Verfilmung. Obwohl Emma Stone einen klaren Stich gegenüber Kirsten Dunst macht, wirkt die Figur der Stacy deutlich uninspirierter. Gleiches gilt für Peters Großeltern, zu denen ich persönlich nie einen wirklichen Zugang gefunden habe. Dafür haben sie viel zu wenig Spielzeit. Und Andrew Garfield wirkt zwar als Peter Parker deutlich lockerer, verliert aber dann doch durch seine obercoolen Sprüche als Spiderman und seinem Machogehabe schnell an Sympathien (zumindest bei mir). Da wäre echt mehr drin gewesen. Technisch und Schauspielerisch gab es die besten Voraussetzungen. Aber wie schon in der Kritik richtig festgestellt: es ist einfach noch nicht Zeit, für einen neuen Spiderman. Bei mir gibts 6 von 10 hilfreichen Kranschwenkern.
Nikolas (10.07.12): @ Nico: Habe den Vergleich gelesen, würde größtenteils anders urteilen, komme aber zum gleichen Fazit. Einige Elemente von TAS-M finde ich deutlich besser gemacht, aber gute Zutaten alleine sind noch nicht ausschlaggebend für ein gutes Gericht, am Ende braucht es einen guten Koch, der das ganze stimmig zusammenmixt. Und genau dieses Gesamtbild passt für mich im Reboot nicht, schwächelt deutlich gegenüber S-M, lässt den Film genau wirken, wie er ist: Forciert und unnötig!
Nico (09.07.12): Im Endeffekt hat Sony den Film ja nur drehen lassen, damit die Filmrechte für Spider-Man nicht wieder bei Marvel landen, was aber meiner Meinung nach gar nicht mal so schlecht gewesen wäre. Ich habe vor einer guten Woche, nachdem ich "The Amazing Spider-Man" im Kino gesehen habe, einen Vergleich zwischen eben jenen Film und "Spider-Man" aus dem Jahr 2002 gezogen: http://www.dzgh-army.de/2012/07/01/spinne-gegen-spinne/ So viel vorweg: Sam Raimis Spider-Man hat gewonnen ;)
Olaf (09.07.12): Ich bin auch hin und her gerissen, wie ich diesen Film bewerten soll. Einerseits handelt es sich um einen handwerklich gut gemachten Superhelden-Film. Aber er ist so überflüssig... - Die Produzenten wollten wahrscheinlich einen richtig spektakulären 3D-Film drehen und fanden die Häuserschluchten einer Großstadt dafür bestens geeignet. - Aber vermutlich ist die dritte Dimension vielfach an der Dynamik der Flugszenen gescheitert. - Trotzdem auch von mir 7 von 10 geheimnisvolle Aktentaschen-Funde.
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