Mambo Italiano
Komödie, Kanada 2003, 89 Minuten, ab 6
Originaltitel: Mambo italiano; Deutschlandstart: 24.06.2004 (20th Century Fox); Regie: Émile Gaudreault; Produktion: Daniel Louis, Denise Robert; Drehbhuch: Steve Galluccio, Émile Gaudreault; Musik: FM Le Sieur; Kamera: Serge Ladouceur; Schnitt: Richard Comeau

mit Luke Kirby (Angelo Barberini), Ginette Reno (Maria Barberini), Paul Sorvino (Gino Barberini), Mary Walsh (Lina Paventi), Peter Miller (Nino Paventi), Claudia Ferri (Anna Barberini), Sophie Lorain (Pina Lunetti), Tim Post (Peter), Tara Nicodemo (Yolanda/Frau im Flugzeug/Jolene), Pierrette Robitaille (Rosetta), Dino Tavarone (Giorgio), Mark Camacho (Johnny Christofaro), Michel Perron (Carmignani), Lou Vani (Marco), Diane Lavallée (Mélanie)

Filmplakat
Internet Movie Database ()
Offizielle Homepage (20th Century Fox )
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Angelos Eltern in (noch) guter Stimmung bei dessen Schulabschluss. Nino (Peter Miller) kurz vor seiner Hochzeit mit Pina (Sophie Lorain). Anna (Claudia Ferri) findet heraus, dass ihr Bruder schwul ist. Ninos Mutter (Mary Walsh) ist verzweifelt: Ihr Sohn zieht aus.

Filio mio! ... WARUM? ... WARUM? ... Warum? - Fahr los! Und sieh nicht mehr zurück! - Angelo zieht aus dem Haus seiner Eltern aus.

Plot: Hatten Sie schon einmal Schuldgefühle gegenüber Ihrer Familie? Nein? Dann wird Ihnen dieser familiäre Höllentrip besonders gut gefallen!
Angelo (Luke Kirby) ist der 30jährige Sohn einer nach Kanada emigrierten italienischen Familie. Doch haben seine Eltern Maria und Gino (Ginette Reno und Paul Sorvino) ihr heimatliches Dorf nie wirklich verlassen, sondern es lediglich in ein Reihenhaus verwandelt.
Somit müssen Angelo und seine Schwester Anna (Claudia Ferri) nun mit den vielen Schuldgefühlen und dem Schmerz über die verlassene Heimat fertig werden, mit denen ihre Eltern sie bis zur Schmerzgrenze beladen, während sie sie gleichzeitig krampfhaft festhalten. Zudem ist es Angelos größter Wunsch, Drehbuchautor für’s Fernsehen zu werden, was sich allerdings gar nicht mit den Zukunftsplänen seiner Eltern für ihn vereinbaren lässt.
Als Angelo sich irgendwann über das „Leben“ bewusst wird, das sich ihm bei dieser Zukunftsperspektive bietet, beschließt er einen „Gefängnisausbruch“: In einem großen und für alle bis auf ihn schmerzvollen Schritt zieht er bei seinen Eltern aus.
Kaum in seinem neuen Appartement angekommen, beginnt auch schon sein neues Leben, als er per Zufall seinen alten Kumpel Nino (Peter Miller) aus Kindertagen wiedertrifft. Doch was damals nur gute Freundschaft war, entwickelt sich schnell zu mehr, bis die beiden sogar zusammenziehen. Anfangs weiß nur Anna über die Liebesbeziehung der beiden Bescheid, denn Angelo will, nachdem er seine Eltern „verlassen“ hat, sie nicht auch noch mit seiner Homosexualität belasten. Als die Dinge sich zuspitzen, lässt sich aber auch das irgendwann nicht mehr verhindern. Seine Eltern reagieren dann auch wie angenommen fassungslos und wollen ihn sogar zum Arzt schicken. Angelo verhält sich jedoch selbstbewusst und lässt sich von ihnen nicht beirren. Alles scheint sich zum Guten zu wenden, doch dann kommt der Tag, an dem Nino seine alte Schulfreundin Pina (Sophie Lorain) wiedertrifft und sich in Punkto Homosexualität plötzlich nicht mehr so sicher ist...

Kritik: Was haben Der Herr der Ringe, Die fabelhafte Welt der Amelie, Face/Off, Ring, Bowling for Columbine und Frida gemeinsam? Es sind alles Filme, die eine Seele besitzen und den Nerv ihres jeweiligen Genres treffen! Und was die Kömodie angeht, ist das auch bei Mambo Italiano der Fall.
Emile Gaudreault, der auch schon das Drehbuch zu Ron Howards Ed TV schrieb, erzählt die Geschichte des aus den Zwängen seines Elternhauses fliehenden Angelo in urkomischen, überspitzten Bildern. Inmitten des offenen und freiheitsliebenden Kanadas platziert er den Mikrokosmos seiner italienischen Kommune, in der die Klischees z.B. der patriarchischen Familienstruktur wohl stärker zur Geltung kommen, als sie es in Italien je könnten.
An dieser Stelle verdient gerade Paul Sorvino Erwähnung, der dem Familienvater leidenschaftlich noch mehr festgefahren-eigensinnig-herrisches Profil verleiht, als Michael Constatine in My Big Fat Greek Wedding.
Als Ergänzung hierzu glänzt Claudia Ferri als Angelos tablettensüchtige Schwester Anna, die ständig neue Therapeuten aufsucht, da sie nicht riskieren möchte, dass sie jemand zu gut kennenlernt...
Was letztlich jedoch die Seele dieses Films ausmacht, ist Gaudreaults sicheres Gespür für das Timing der Gags. Die sind nicht nur eine bloße Aneinanderreihung von mehr oder weniger witzigen Szenen, wie es z.B. in Haus über Kopf der Fall war, sondern eine exzellente Mischung aus durchgehend einfallsreichem Drehbuchtext, Kamerasprache, gut platzierten Schnittbildern, Schauspielleistung und bis ins Absurde hinein überspitzten Szenenbildern. Besonders zum Tragen kommt hierbei die Anfangssequenz, in der Angelo selbstironisch das Leben seiner Familie bis zu seinem Auszug kommentiert.

Fazit: Erfrischend leichtfüßige Komödie, die durch ihre gekonnte Erzählweise zu begeistern weiß!
Und da auch alles andere stimmt, kann man eigentlich nur bedauern, dass es so was nicht öfter gibt. 9 von 10 Mal Wassereis mit Langzeiteffekt

Nikolas Mimkes
19.06.2004

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812 Stimmen
Schnitt: 5
cgi-vote script (c) corona, graphics and add. scripts (c) olasch

Leser-Kommentare:
Gero (29.06.04): My Big Fat Greek Wedding (MBFGW) kuemmert sich nur darum, die Eigenheiten der konservativen, nach Amerika ausgesiedelten Griechen im Aufprall auf den ganz normalen Wahnsinn amerikanischer Neuzeit-Kultur (wenn man es so ausdrücken will) darzustellen. Das tut Mambo Italiano auch (hier natuerlich fuer konservative, nach Amerika ausgesiedelte Italiener). Jedoch bleibt MBFGW dicht an der Oberfläche und hält sich vorwiegend komödiantisch, fast slapstickartig. Mambo Italiano ist auch komisch, aber dabei weitaus tragischer, weitaus tiefgründiger. Und auch das obligatorische Happyend ist ganz anders, als man es eigentlich erwarten würde.
Von deswegen und daher: MBFGW und Mambo Italiano kann man trotz mitunter ähnlichen Aspekten eigentlich nur schwerlich vergleichen: Der eine bezieht seinen Witz aus dem "platten Kulturschock", der andere aus der weitaus tieferen Anlage der Protagonisten. Von mir daher ohne den Vergleich 9 von 10 Personen im Beichtstuhl.

Sebastian (22.06.04): Im Grunde kann ich Nikolas nur zustimmen!
Der Film ist wirklich überraschend gut! Negativ ist nur, dass er zwischendurch immer mal wieder ein paar kleinere Längen hat und manches wie ein Aufguss vom Big Fat Greek Wedding wirkt! Aber dafür gibt es auch viele neue gute Einfälle und der ganze Film ist einfach nur lustig und treffend, auch wenn vieles sehr übertrieben dargestellt ist. Aber gerade das Übertriebene ist das Gute!
Leider nicht ganz so gut wie My Big Fat Greek Wedding, aber sehr nahe dran! 8 von 10 Sitzungen beim Psychiater!

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