True Grit
Western, USA 2010, 110 Minuten, ab 12, Prädikat: Besonders wertvoll
Originaltitel: Trut Grit; Deutschlandstart: 24.02.2011 (Paramount); Regie: Ethan Coen,
Joel Coen; Produktion: Steven Spielberg, Scott Rudin u.a.; Drehbuch: Ethan Coen,
Joel Coen
nach dem Roman von Charles Portis; Musik: Carter Burwell; Kamera: Roger Deakins; Schnitt: Ethan Coen, Joel Coen

mit Jeff Bridges (Rooster Cogburn), Hailee Steinfeld (Mattie Ross), Matt Damon (LaBoeuf), Josh Brolin (Tom Chaney), Barry Pepper (Lucky Ned Pepper), Dakin Matthews (Col. Stonehill), Jarlath Conroy (Totengräber), Paul Rae (Emmett Quincy), Domhnall Gleeson (Moon), Elizabeth Marvel (Mattie mit 40), Roy Lee Jones (Yarnell), Ed Corbin (Mann mit Bärenfell), Leon Russom (Sheriff), Bruce Green (Harold Parmalee) u.a.

Filmplakat
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Offizielle Website (Paramount )
Trailer ()
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Marshal Cogburn? Können wir heut noch aufbrechen? - Wir? - Mattie will mit auf die Jagd.

Plot: Der Klein-Gauner Tom Chaney (Josh Brolin) erschießt im Streit den Farmer Frank Ross. Da sich in dem kleinen Ort, wo es passierte, aber keiner darum schert, reist die 14-jährige Tochter von Frank, Mattie Ross (Hailee Steinfeld), an, um zum einen den Leichnam ihres Vaters zu überführen, und zum anderen auch nach Gerechtigkeit zu suchen und den Mörder zur Strecke zu bringen. Der Marshal Rooster Cogburn (Jeff Bridges), ein alter Haudegen mit Augenklappe, scheint ihr da der geeignete Kandidat zu sein, und sie heuert ihn kurzer Hand an, Chaney ins Indianergebiet zu folgen. Allerdings passt es Cogburn gar nicht, dass Mattie unbedingt mit auf die Jagd will. Ein weiteres Problem kommt noch hinzu, als sich herausstellt, dass noch jemand auf der Suche nach Chaney ist, nämlich der Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon). Schließlich nehmen sie gemeinsam die Fährte auf...

Kritik: Sind Remakes wirklich nötig? Noch dazu, wenn es sich um so ein Randgenre wie Western handelt? Haben die Coen-Brüder nichts besseres zu tun?
Das sind die Fragen, die ich mir gestellt habe, als ich zum ersten Mal von dem Film hörte. Nach Sichtung muss ich sagen: Obwohl ich mich immer noch frage, ob die Neuverfilmung wirklich sein musste, ist sie doch so gut gelungen, dass sie durchaus eine Daseinsberechtigung hat.
Im Vergleich zum Originalfilm Der Marshal aus dem Jahr 1969 haben die Coen-Brüder die Grundgeschichte beibehalten und auch einige Passagen mehr oder weniger direkt übernommen. Dafür haben sie hier und da andere Sequenzen reingebracht und das Ende geändert. Ich kenne zwar die Romanvorlage von Charles Portis nicht, denke aber, dass die Coen-Version näher an der Buchvorlage ist.
Mit True Grit haben sich die Coen-Brüder erstmals an das Western-Genre gewagt (No Counrty for Old Men zähle ich im Gegensatz zu einigen anderen nicht zum Western-Genre!) und beweisen hier einmal mehr, dass sie egal, welches Film-Genre sie sich vornehmen, immer wieder richtig gute Filme drehen. Okay, manchmal kommen dann auch so verkorkste Machwerke wie Burn After Reading dabei heraus, auf der anderen Seite aber wiederum auch Meisterwerke wie No Country for Old Men oder The Big Lebowski.

True Grit ist handwerklich perfekt inszeniertes Western-Feeling. Von stimmungsvollen Lagerfeuerszenen über Duelle mit dem Colt bis hin zu Verfolgungsjagden zu Pferd. Alles ist dabei. Die Story ist solide und emotional mitreißend, wird aber erst richtig lebendig durch die mehr als überzeugende Darstellung von Jeff Bridges und Hailee Steinfeld. Für die Darstellung des Rooster Cogburn in der Originalverfilmung bekam John Wayne damals seinen einzigen Oscar. Für die Neuverfilmung war Jeff Bridges ebenfalls für die Darstellung des Rooster Cogburn nominiert. Er bekam ihn zwar nicht, muss sich aber hinter John Wayne keineswegs verstecken, sondern spielt die Rolle meiner Meinung nach mindestens genauso gut. Eine richtige Überraschung ist hingegen Hailee Steinfeld in ihrer Rolle als Mattie Ross. Ich hatte schon Angst, dass sie gegen Kim Darby, die mir im Original so gefallen hatte, abstinken würde. Aber weit gefehlt. Die Oscarnominierung von Steinfeld war auch mehr als gerechtfertigt, da sie sogar noch besser spielt als Darby.
Zu Kritisieren hab ich an der Neuverfilmung eigentlich nur zwei Sachen. Nämlich dass ich sie, obwohl sie kürzer ist, weniger spannend und mitreißend fand als das Original. Vielleicht liegt es daran, dass ich die Story ja nun schon kannte oder aber dass die Coen-Brüder mehr wert auf Charakterzeichnung als auf Action und Dramatik setzen. Das war im Original eher umgekehrt. Die zweite Sache, die ich kritisieren muss, ist, dass die Coens es nicht genug schaffen ihrer Verfilmung einen wirklich eigenen Stil zu verpassen, dafür ähnelt sie doch zu sehr dem Original. Das gibt Abzüge in der B-Note, da man, wenn man ein Thema schon neu verfilmt auch etwas besonderes draus machen sollte.
Dafür haben die Coen-Brüder wiederum viel Wert auf die Charakterzeichnung gesetzt. Das hat mir sehr gefallen. Von daher kann ich den Film wirklich nur empfehlen. Ob die Oscar-Nominierung als Bester Film gerechtfertigt ist, lasse ich dahingestellt, schon allein weil es „nur“ eine, wenn auch gut gemachte, Neuverfilmung ist...

Fazit: True Grit ist eine sehr solide und handwerklich perfekte Neuverfilmung geworden, die vor allem durch die schauspielerischen Leistungen glänzt. Nicht der beste Coen-Film, aber einer der „mainstreamigsten“. Auch für Nicht-Western-Fans wirklich zu empfehlen! 8 von 10 Schlangen im Erdloch.

Sebastian Schwarz
01.03.2011

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Absolut hervorragend8%
Bester Film aller Zeiten8%

105 Stimmen
Schnitt: 5.2
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Leser-Kommentare:
Luis (28.03.11): Genau genommen ist der Film gar kein Remake, sondern eine Neuinterpretation der Romanvorlage. Darstellerisch und inszenatorisch sicherlich ein herausragender Film. Allerdings fehlt mir da das gewisse Etwas, was den Film auch inhaltlich fesselnd macht. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich kein großer Western-Fan bin. Mich hat der Film jedenfalls nicht berührt, nicht mitgerissen und absolut enttäuscht.
Nikolas (04.03.11): Ingesamt kann ich Sebastian nur zustimmen: Ein handwerklich sehr gut gemachtes Remake, in dem Jeff Bridges und Hailee Steinfield ihren Vorgängern alle Ehre machen. Wobei ich sowohl den Anfang, das Ende wie auch Kleinigkeiten (Momente) im Original besser fand. Insgesamt kann ich nur sagen: So wirklich verstehe ich den Sinn des Remakes nicht, da es zu sehr derselbe Film nochmal ist und dem nicht wirklich neue Aspekte hinzugefügt wurden, die eine Neuinterpretation rechtfertigen. Da kann ich eigentlich nur sagen
großartig, aber wozu? Den Film gibt's schon einmal! Für zuviel einfache Kopie und zu wenig Neues gibts's 8 von 10 erbarmungslose Verhandlungen

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