Flags of Our Fathers
Action/Drama, USA 2006, 131 Minuten, ab 12
Originaltitel: Flags of Our Fathers; Deutschlandstart: 18.01.2007 (Warner Bros.); Regie: Clint Eastwood; Produktion: Clint Eastwood, Steven Spielberg u.a.; Drehbuch: William Broyles Jr., Paul Haggis nach der Vorlage von James Bradley und Ron Powers; Musik: Clint Eastwood; Kamera: Tom Stern; Schnitt: Joel Cox

mit Ryan Phillippe (John "Doc" Bradley), Jesse Bradford (Rene Gagnon), Adam Beach (Ira Hayes), John Benjamin Hickey (Keyes Beech), John Slattery (Bud Gerber), Barry Pepper (Mike Strank), Jamie Bell (Ralph "Iggy" Ignatowski), Paul Walker (Hank Hansen), Robert Patrick (Colonel Chandler Johnson), Neal McDonough (Captain Severance), Melanie Lynskey (Pauline Harnois), Thomas McCarthy (James Bradley), Chris Bauer (Commandant Vandergrift), Judith Ivey (Belle Block), Myra Turley (Madeline Evelley) u.a.

Filmplakat
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Offizielle Website (Warner Bros. )
Trailer (Bluecom TV )
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Ein einziges Bild kann darüber entscheiden, ob ein Krieg gewonnen oder verloren wird! - Aussage eines amerikanischen Politikers.

Plot: Im Februar 1945 landen zwei Divisionen des 5. Amphibischen US-Corps auf der japanischen Insel Iwo Jima. Sie wollen die strategisch wertvoll gelegene Insel von den Japanern erobern. 100.000 US-Soldaten stehen 20.000 Japanern gegenüber. Zu sehen bekommen sie selten einen, denn die Japaner bekämpfen ihren Feind aus unterirdischen Geschützanlagen. Eine blutige Schlacht beginnt, in der nahezu alle Japaner sterben. Auf amerikanischer Seite lassen 7.000 US-Soldaten ihr Leben, über 17.000 werden verwundet. Inmitten der Kriegswirren hissen sechs Soldaten die amerikanische Flagge auf dem eroberten Berg Suribachi. Ein Kriegsfotograph hält das Ereignis fest und gewinnt damit den Pulitzer-Preis. Das Bild geht um die Welt als Beweis für die Unerbittlichkeit des Sieges-Willens und als Zeichen waren Heldentums. Drei der sechs Soldaten fallen. Die Überlebenden werden in die Heimat zurück geholt. Doch ihre Erinnerungen haben wenig mit Heldentum zu tun und zeigen eine gänzlich andere Wahrheit.

Kritik: Regisseur Clint Eastwood (Mystic River, Million Dollar Baby) hat die Schlacht von Iwo Jima aus zwei Perspektiven erzählt. Flags of our Fathers wird aus Sicht der US-Soldaten erzählt und Letters from Iwo Jima erzählt die gleiche Schlacht aus japanischer Sicht. Eastwood demontiert den Heldenmythos, fragt sich selbst und uns: Was sind Helden? Woher kommen sie? Warum brauchen wir sie? Wie wichtig waren und sind Helden in unserer Gesellschaft? Als die erste Flagge auf Iwo Jima hochgezogen wurde, war dies nur der Befehl eines Oberbefehlshabers, um die Truppen zu ermutigen. Doch für den Kriegs-Fotographen Joe Rosenthal (Ned Eisenberg) wurde das Ganze noch mal in Szene gesetzt, weil man der Ansicht war, das wäre etwas was der amerikanischen Gesellschaft Auftrieb gibt. So ein Bildnis würde helfen, den Krieg zu gewinnen. Während drei der sechs Soldaten später in der Schlacht fallen, werden John 'Doc' Bradley (Ryan Phillippe), Ira Hayes (Adam Beach) und Rene Gagnon (Jesse Bradford) nach Hause geschickt, weil Amerika seine Helden braucht. Sie werden von den Politikern als mitunter lächerliche Heldenfiguren missbraucht, um die Menschen dazu zu bewegen Kriegsanleihen zu kaufen. Sprüche wie: "Mein Junge, Sie sind ein Held." oder "Sie haben bestimmt ne Menge erlebt da drüben." gehören von nun an zur Tagesordnung.
Der alte John Bradley sagt zu Beginn des Films einen eindrucksvollen Satz: "Viele Trottel glauben, sie kennen den Krieg! Und die meisten davon haben nie einen erlebt!"
Eastwood hat selbst im Krieg gedient und er zeigt uns grausame Bilder. Bilder die vermutlich nahe an der Wirklichkeit sind. Bilder von Verstümmelung, von Tötungen, vom Sterben, von unvorstellbaren Leiden junger Männer, die für den Rest ihres Lebens durch diese grausamen Erlebnisse geprägt werden. An einer Stelle des Films wird über die Soldaten gesagt, sie seien zwar für ihr Land in den Krieg gezogen, aber gekämpft haben sie für die Männer an ihrer Seite.

Besonders der Indianer Ira geht an dem Helden-Schauspiel zugrunde. Obwohl er als Amerikaner in den Krieg zog, wird er von nahezu jedem als Häuptling oder Rothaut bezeichnet. In einer Bar verweigert man sogar die Bedienung. Hayes kann die Erlebnisse auf Iwo Jima nur schwer überwinden und ertränkt seine Trauer und sein Leid in Alkohol.
Der Sohn von Doc Bradley sagt später im Film, dass auch sein Vater nie darüber gesprochen hat, was auf Iwo Jima vorgefallen ist. Alles was er erfuhr, hat er nach dessen Tod recherchiert. Die Rahmenhandlung des Films handelt davon wie Bradleys Sohn überlebende Soldaten interviewt, um sich ein Bild von den Geschehnissen auf Iwo Jima zu machen. Im Hauptteil des Films geht es um die Hintergründe der Photographie, die Vermarktung der drei Helden und deren Erlebnisse auf Iwo Jima, die in Rückblicken erzählt werden.
Eastwood zieht eine klare Linie, er verurteilt nicht die Soldaten, sondern die Politiker und die Gesellschaft, die erst einen Heldenmythos erschaffen, um Geld zu scheffeln und anschließend alle drei Soldaten fallen lassen, als wären sie Dreck. Viele Soldaten neigen dazu zu Schweigen, sie reden nicht gerne über die Grausamkeiten, die sie gesehen oder wohlmöglich selbst getan haben. Deshalb kann man die die Schrecknisse nur erahnen, auf die die Soldaten getroffen sein müssen - ganz gleich, auf welcher Seite sie gestanden haben.
Eastwood versucht mit den Schlachtszenen einen Eindruck zu vermitteln. Aber es bleibt eben nur ein Eindruck, nur ein Bruchteil dessen, was wirklich vorgefallen sein wird. Die Schlachtszenen auf Iwo Jima sind nahezu farblos. Fast ausschließlich in Schwarz-Weiß und dreckigen Grüntönen kommt die Vulkaninsel daher und wird aus allen Perspektiven eindrucksvoll in Szene gesetzt. Besonders die herannahenden amerikanischen Streitkräfte sind ein ebenso imposanter wie erschreckender Anblick.
Am Ende stellt der Regisseur fest, dass Helden notwendig sind, aber das solche, die sich selbst Helden nennen, oft keine sind. Und dass auch die winzigste Geste der Loyalität ein Ausdruck wahren Heldentums sein kann. Und so endet der Film zwar traurig, aber nicht ohne Hoffnung.
Eastwood ist ein eindrucksvoller Anti-Kriegsfilm gelungen, denn er hat keine Angst davor dem Heldenmythos von Iwo Jima kritisch gegenüber zu stehen und genau das macht den Film so sehenswert. Es ist eine Erleichterung zu sehen, dass auch ein Amerikaner seiner nicht so ruhmreichen Geschichte ebenso ehrlich wie kritisch gegenüber stehen kann und dies auch dem amerikanischen Volk zu vermitteln versucht. Ich bin sehr gespannt auf die Gegenperspektive Letters from Iwo Jima.

Fazit: Superb gefilmter und eindrucksvoller Anti-Kriegfilm über die Schlacht auf Iwo Jima,
der jeden Heldenmythos seinem Glanz nimmt und zum Nachdenken anregt. Clint Eastwood at his best.
Gefühlvoll ohne kitschig zu sein. Schonungslos und bewegend zugleich. Ich gebe 9 von 10 gehissten Flaggen.

Sandra Plich
26.01.2007

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248 Stimmen
Schnitt: 5.1
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Leser-Kommentare:
Sebastian (23.02.07): Der Film ist zwar gut, aber so mitgerissen, wie viele andere Anti-Kriegsfilme hat er mich nicht! Es fehlte etwas die Tiefe der Figuren, damit man sich wirklich mit ihnen identifizieren konnte, was aber wegen der vielen Charaktere nicht anders möglich war.
Der Film hätte auch noch kritischer mit den USA und der Schlacht umgehen können!
Hoffe darauf, dass Letters from Iwo Jima noch besser wird!
Letztlich gibt es nur knappe 7 von 10 Zeitungsfotos!

Olaf (12.02.07): @Dirk: Ja, das ist traurig. - Aber geh einfach mal rein und zähl die Zuschauer. Dann weißt du, warum... :-(
Dirk (12.02.07): kann mir irgendjemand erklären, warum so ein Film in PB nur um 17:30 gezeigt wird???
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