I Heart Huckabees
Komödie, USA/Deutschland 2004, 106 Minuten, ab 12
Originaltitel: I Heart Huckabees; Deutschlandstart: 12.05.2005 (20th Century Fox); Regie: David O. Russell; Produktion: Gregory Goodman, Scott Rudin u.a.; Drehbuch: David O. Russell, Jeff Baena; Musik: Jon Brion; Kamera: Peter Deming; Schnitt: Robert K. Lambert

mit Jason Schwartzman (Albert Markovski), Isabelle Huppert (Caterine Vauban), Dustin Hoffman (Bernard), Lily Tomlin (Vivian), Jude Law (Brad Stand), Mark Wahlberg (Tommy Corn), Naomi Watts (Dawn Campbell), Angela Grillo (Angela Franco), Ger Duany (Mr. Nimieri), Darlene Hunt (Darlene), Kevin Dunn (Marty), Benny Hernandez (Davy), Richard Appel (Josh), Benjamin Nurick (Harrison), Jake Muxworthy (Tim) u.a.

Filmplakat
Internet Movie Database ()
Offizielle Website (20th Century Fox )
Trailer (20th Century Fox )
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Sagen wir, dieses Laken verkörpert die gesamte Materie und Energie im Universum, okay? Sie, mich, einfach alles. Mit allem drum und dran. Verstehen Sie? Jedes Partikelchen, alles. - Was ist außerhalb des Lakens. - Noch mehr Laken. Darauf will ich hinaus. - Es gibt nur Laken? - Exakt. Das Laken ist alles, okay? Jetzt sagen wir mal, das bin ich, ja. Und ich bin irgendwas zwischen 60 und 70, trage einen grauen Anzug, blablabla. Und jetzt sagen wir mal, das hier sind sie. Sie sind, keine Ahnung, 21, haben schwarze Haare und so weiter. Und hier drüben, das ist Vivian, meine Frau und Kollegin. Und hier haben wir den Eifelturm, verstehen Sie? Das ist Paris. Und hier ist ein Krieg. Und hier ist ein Museum. Das ist eine Krankheit. Und das hier ist ein Orgasmus. Und das ist ein Hamburger. - Alles ist das selbe, auch wenn es nicht das gleiche ist. - Korrekt, aber unser Verstand sagt was anderes. Wir denken, alles steht für sich allein. Ich bin hier, Sie sind da drüben. Was ja auch richtig ist. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Weil alles zusammenhängt. Weil wir alle miteinander verbunden sind. - Jajajajaja. - Okay? - Ja. - Sehr schön. So. Wir müssen jetzt lernen, die Bedeutung des Lakens nie aus den Augen zu lassen. Immer, egal was wir tun, an jedem Tag unseres Lebens. Und dafür gibt es das hier. - Wieso? - Wieso was? - Wieso darf ich das Laken nicht aus den Augen verlieren, egal, wann ich was auch immer tue? - Sie wollen doch nicht die Antwort auf das Warum verpassen, oder? - Äh äh! - Unter anderem sind Sie ja deswegen hier, nicht wahr. Und genau davon spreche ich die ganze Zeit. Ich meine, es wird eine Weile dauern, bis Sie es kapiert haben, aber es wird Ihnen helfen. - Wie? - Wenn Sie das Laken begreifen, können Sie sich entspannen. Weil sie alles, was Sie haben wollen oder sein wollen, bereits haben oder sind. - Bernard erklärt Albert die Welt.

Plot: Albert Markovski (Jason Schwartzman), Umweltaktivist und Hobbydichter, ist stolz darauf, ein Sumpfgebiet vor der Bebauung durch die Kaufhauskette Huckabees bewahren zu können. Leider geht es Albert nicht gut, da seine Arbeit und seine Ökotruppe von dem egozentrischen, schleimigen Huckabees-Manager Brad (Jude Law), Alberts Erzfeind, unterwandert und boykottiert wird. Zusätzlich befindet sich Albert noch in einer Lebenskrise, weil er schon zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit einem unbekannten, großen Schwarzafrikaner begegnet ist. Da Albert dabei nicht an Zufall glauben will, beauftragt er die beiden existenzialistischen Detektive Vivian (Lily Tomlin) und Bernhard Jaffe (Dustin Hoffman), damit sie sein Leben rund um die Uhr beschatten und so die großen transzendentalen Zusammenhänge von Alberts Existenz entschlüsseln können. Neben vielen anderen Ratschlägen empfehlen sie ihm, sich mit „seinem Anderen“, dem neurotischen Feuerwehrmann Tommy (Mark Wahlberg), zusammen zu tun, damit sie sich gegenseitig bei ihren Problemen unterstützen können. Was weiterhin eine französische Konkurrentin (Isabelle Huppert) von Vivian und Bernhard, die wilde Sexgelüste hat, und ein gut aussehendes Fotomodell des Huckabees-Konzerns (Naomi Watts), die plötzlich kein Wert mehr auf ihr Äußeres legt, mit der Geschichte zu tun haben, muss man sich schon selbst im Kino anschauen...

Kritik: I Heart Huckabees ist ein Film der ganz unkonventionellen Art. Wer Filme von Wes Anderson (Rushmore, Die Tiefseetaucher), von Paul Thomas Anderson (Punch Drunk Love, Magnolia) und von Charlie Kaufman geschriebene Drehbücher (Being John Malkovich, Vergiss mein nicht!) kennt und mag, wird auch die Machart von I Heart Huckabees mögen und sollte ihn sich ansehen.
Es ist mittlerweile fünf Jahre her, seit David O. Russells letzter Film, die Kriegssatire Three Kings, bei uns in den Kinos lief. Sein aktueller Film ist ein schräger, wilder und alberner Mix mit Starbesetzung, der die Fragen nach dem Sinn des Lebens betrachtet. Dabei arbeitet Russell entgegen üblicher Konventionen, denn der Film hat im Grunde keine wirklich durchgehende Handlung, sondern verwebt einzelne Handlungsstücke zu einem Gespinst, das im Ganzen ein zusammenhängendes Bild ergibt bzw. es zumindest ergeben soll. Ob ich den Film tatsächlich ganz durchschaut habe, weiß ich nämlich immer noch nicht. Aber vielleicht brauche ich dazu ja noch ein oder zwei Sitzungen in Bernhards (Dustin Hoffman) Kleidersack, um tief in mich zu gehen.
Der Film ist wirklich extreme Geschmacksache: Entweder man lässt sich auf ihn ein und begibt sich mit auf eine skurrile Suche nach dem Sinn des Lebens oder man ist von der Machart so abgeschreckt, dass man nach einigen Minuten verstört den Kinosaal verlässt! Aber selbst die Leute, die sich auf den Film einlassen, werden sich an so manchen Stellen fragen, was Russell, der Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion ist, wohl geraucht hat, um auf solche abstrusen Ideen zu kommen.
I Heart Huckabees ist ein ständiges Pendeln zwischen genialen und irrsinnigen Sequenzen, philosophischen Ergüssen, skurrilem Humor aber leider manchmal auch ziemlicher Langeweile. Da der Film in meinen Augen schon zu abgehoben ist, konnte ich zu dem Protagonisten aber auch zu den anderen Charakteren nicht wirklich einen innigen Bezug aufbauen. Von daher fand ich die konfuse Handlung stellenweise doch sehr ermüdend. Vielleicht lag es auch daran, dass für meinen Geschmack zu wenig geradlinige Erzählstruktur vorhanden war.
Im Gegensatz zu vielen Kritikern, die Russells Filme stets über den grünen Klee loben, sehe ich es differenzierter. So fand ich seinen Film Flirting With Desaster sehr gut, Three Kings hingegen ziemlich schlecht. I Heart Huckabees ordne ich irgendwo dazwischen ein. Ich werde mir auf jeden Fall weiterhin existenzielle Gedanken über den Film und meine eigene Person machen und mir die Frage stellen: Wie kann ich nicht ich selbst sein?

Fazit: I Heart Huckabees ist eine sehr unkonventionelle und skurrile Komödie über den Sinn des Lebens, die wirklich nur für eine kleine Klientel von Kinogängern geeignet ist. Die, die mit Filmen wie den oben aufgelisteten nichts anfangen können, sollten einen möglichst großen Bogen um diesen Film machen. Er ist eine recht gelungene Mischung aus genialen, irrsinnigen, philosophischen und lustigen Sequenzen. Leider ist er bisweilen aber auch etwas langweilig. Abgesehen davon entsteht zwischen den Charakteren und dem Zuschauer aufgrund der zu abgehobenen Art des Films leider nie eine wirklich verbindende Atmosphäre. Gute 6 von 10 ehemaligen Lehrerinnen mit Staubsaugern auf Bäumen.

Sebastian Schwarz
14.05.2005

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Sehr gut9%
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Bester Film aller Zeiten13%

84 Stimmen
Schnitt: 5.5
cgi-vote script (c) corona, graphics and add. scripts (c) olasch

Leser-Kommentare:
Andreas (19.05.05): Mich wundert nur wie man es geschafft hat, ein dermassen grosses Aufgebot an Megastars für dieses kleine Independentfilmchen zu angagieren! Leider ist das Ganze nicht wirklich komisch geworden und deswegen kann ich nur 5 von 10 absichtlich in die Mülltonne gelegte Kaffka´s geben.
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