Hotel Ruanda
Drama, Südafrika/GB/I 2004, 121 Minuten, ab 12
Originaltitel: Hotel Rwanda; Deutschlandstart: 07.04.2005 (Tobis); Regie: Terry George; Produktion: Terry George, A. Kitman Ho u.a.; Drehbuch: Keir Pearson, Terry George; Musik: Jerry Duplessis, Rupert Gregson-Williams, Andrea Guerra; Kamera: Robert Fraisse; Schnitt: Naomi Geraghty

mit Don Cheadle (Paul Rusesabagina), Sophie Okonedo (Tatiana Rusesabagina), Nick Nolte (Colonel Oliver), Joaquin Phoenix (Jack), Desmond Dube (Dube), David O'Hara (David), Cara Seymour (Pat Archer), Fana Mokoena (General Augustin Bizimungo), Hakeem Kae-Kazim (George), Tony Kgoroge (Gregoire), Mosa Kaiser (Pauls Tochter), Mathabo Pieterson (Pauls Schwester), Ofentse Modiselle (Roger Rusesabagina), Xolani Mali (Polizist)

Filmplakat
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Offizielle Website (United Artists )
Trailer (Tobis )
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   © Tobis

Sag mal ehrlich: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Hutu und einem Tutsi? - Also, wenn 's nach den belgischen Kolonialherren geht, dann sind die Tutsi etwas größer und viel eleganter. Die Belgier haben eine Klassifizierung vorgenommen. - Und wie? - Sie haben 'ne Auswahl getroffen. Die mit schmalerer Nase und hellerer Haut. Sie haben bei den Leuten die Dicke der Nase gemessen. Die Belgier haben die Tutsi nur benutzt um das Land zu regieren, und als sie abzogen übergaben sie die Macht an die Hutu. Und die haben sich natürlich an den Tutsi gerächt für die jahrelange Unterdrückung. - Der Kameramann Jack lässt sich den Unterschied zwischen den beiden Volksgruppen erklären.

Plot: Der Film erzählt die wahre Geschichte des ruandischen Hotelmanagers Paul Rusesabagina (Don Cheadle), der während des sich 1994 in Ruanda ereignenden Völkermordes der Hutu-Militia an der Tutsi-Bevölkerung durch seinen Mut über 1000 Menschen das Leben rettete.
Hintergrund ist die von den Belgiern vorgenommene Rassentrennung der Ruander in Hutu und Tutsi, unter denen seitdem ein Dauerkonflikt entstand, der sich seit 1959 in diversen Pogromen, Vertreibungen und Massentötungen entlud. Während das Land über Jahre von Tutsi regiert wurde, übernahmen die Hutu nach einem Militärputsch innerhalb weniger Stunden die Kontrolle über das Land. In der darauf folgenden Zeit durchkämmte das Militär unter Führung von General Augustin Bizimungo (Fana Mokoena) systematisch die Hauptstadt Kigali und massakrierte dabei alle Tutsi, denen es habhaft werden konnte, inklusive Frauen und Kinder. Die Zahl der Toten stieg dabei innerhalb weniger Tage fast drei mal so schnell wie die der jüdischen Toten während des Holocaust. Innerhalb von nur 100 Tagen wurden knapp eine Million Tutsi und gemäßigte Hutu ermordet (diejenigen, die sich neutral verhielten; während der ruandische Hetz-Radiosender „Radio-Television Libre des Mille Collignes“ verbreitete, die Ausrottung der Tutsi sei die Pflicht eines jeden anständigen Hutu). Es war der effizienteste Massenmord seit den Atombomben von Hiroshima und Nagasaki und findet Vergleiche nur im Holocaust und im Genozid an den Armeniern (siehe Ararat).
Während dieser Zeit wurde die Situation von den westlichen Mächten lange Zeit als Bürgerkrieg verharmlost, da ein Völkermord internationales Einschreiten unumgänglich gemacht hätte. Doch die seit Somalia (siehe Black Hawk Down) interventionsunwilligen Truppen und das wirtschaftlich und militärisch bedingte Desinteresse gerade der Amerikaner an Ruanda führte zu einer konsequenten Vermeidung und Wortklauberei in bezug auf das Wort „Völkermord“. Statt Unterstützung durch die Blauhelm-Truppen der Nato wurden alle Weißen aus Ruanda evakuiert und die Bevölkerung schlicht sich selbst überlassen.

Kritik: Hotel Ruanda stellt für mich den großen Höhepunkt der diesjährigen Berlinale 2005 dar: Wenn auch insgesamt amerikanischer Erzählweise und somit dem Mainstream zuzuordnen, ist der Film vom Anfang bis zum Ende nervenzerreißend spannend, ohne dabei in Klischees, Tränendrüse, Effekthascherei oder ähnliche Hollywood-Elemente abzurutschen.
Er zeigt auf banalste und nüchternste Weise, dass Krieg immer auf Macht- und Geldgier und oftmals blinden Hass zurückzuführen ist, der Menschen zu unvorstellbaren Grausamkeiten an anderen Menschen antreiben kann.

Doch sei gleich gesagt, dass es sich hierbei nicht um ein filmisches Blutbad handelt, denn all das wird höchstens erwähnt oder angedeutet. Die Geschichte beschränkt sich auf den verzweifelten, beinahe aussichtslosen Überlebenskampf Paul Rusesabaginas (herausragend und oscarreif gespielt von Don Cheadle - Passwort: Swordfish / Ocean’s 11), der permanent versucht, seine Frau und etwa 1000 weitere Tutsi, die in dem unter seiner Führung stehenden „Hotel des Mille Collignes“ Zuflucht gesucht haben, vor der Erschießung zu bewahren.
Aber auch sonst wurden hier durch die Reihe hervorragende Darsteller gecastet: So brilliert neben Don Cheadle auch Sophie Okonedo als Pauls verzweifelte Frau Tatiana, die den Tod ständig vor Augen hat und ihren Mann mehrmals zu überzeugen versucht, sein eigenes Leben und das der Kinder zu retten, anstatt sich auch noch zu gefährden. Eine Leistung, die auch ihr eine hochverdiente Oscarnominierung einbrachte. Tony Kgorore als intriganter Gregoire oder Fana Mokoena als General Augustin Bizimungo spielen ebenfalls herausragend, dürften dem europäischen Publikum jedoch weitestgehend unbekannt sein.
Demgegenüber scheint der Auftritt der Stars wie Joaquin Phoenix (The Village) als Kameramann, Jean Reno (Die purpurnen Flüsse)
als belgischer Hotelchef und Nick Nolte (Hulk) als machtloser Nato-Soldat lediglich dem Zweck zu dienen, den Film ähnlich wie bei Frida durch große Namen einem Massenpublikum attraktiv zu machen. Denn abgesehen von der Werbung hat der Film sie nicht nötig.
Regisseur Terry George hat Hotel Ruanda so lebhaft wie einen Dokumentarfilm inszeniert. Die Kamera heftet sich dabei über die gesamte Länge des Films an Don Cheadle und bleibt auf dessen Augenhöhe, wodurch der Zuschauer mitten ins Geschehen gezogen und nicht wieder losgelassen wird.
Dieses Gefühl der Ausweglosigkeit wird noch dadurch verstärkt, dass man sich persönlich durch die Großmächte im Stich gelassen fühlt: Während in Ruanda Menschen massakriert werden, verstricken sich Politiker im Fernsehen in Debatten darüber, wie viele „Acts of Terrorism“ es benötigt, damit man von „Völkermord“ sprechen kann. Da meint Joaquin Phoenix im Film passend: „Verstehen sie es endlich: Die wollen ihnen nicht helfen. Denen sind sie egal! Für die sind sie noch nicht einmal Nigger, für die sind sie nur Schwarze. Die sehen beim Essen die Nachrichten, sagen sich 'wie schrecklich’ und essen weiter!“
Ein Moment, für den die Kamera nur einmal den Ort des Geschehens verlässt: Als Rusesabagina verzweifelt bei seinem Chef in Belgien anruft, während seiner Frau eine Waffe an den Kopf gehalten wird, sehen wir Jean Reno, der in seinem klimatisierten Büro weit ab vom Geschehen mehr oder weniger desinteressiert meint, „Wir tun, was wir können...“
In dieser Hinsicht ist es übrigens empfehlenswert, sich ebenfalls den Film Sometimes in April (kein deutscher Starttermin bekannt) anzuschauen, der das Geschehen noch aus einer ganz anderen, aber sehr ergänzenden Perspektive schildert und gerade das Nichteingreifen der Großmächte und ihr Verhalten im Nachhinein kritisiert.

Fazit: Hotel Ruanda ist ein nervenzerreißend spannendes, filmisches Paradebeispiel für jede beliebige Kriegssituation und gleichzeitig Menschenverachtung im banalsten und verdeutlich, dass die Welt kein besserer Ort sein wird, bevor Menschen in gar keine Rassen oder andere Kategorien mehr unterteilt werden. 10 von 10 gefällten großen Bäumen.

Nikolas Mimkes
20.04.2005

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Naja geht so12%
War okay25%
Gut
Sehr gut
Absolut hervorragend12%
Bester Film aller Zeiten

8 Stimmen
Schnitt: 4.2
cgi-vote script (c) corona, graphics and add. scripts (c) olasch

Leser-Kommentare:
Muchos Senkos (12.01.16): Mamma mia dieser film hatt seine höhen und Tiefen und kann auf so viele verschieden Weisen aufgenommen werden 10 von 10 Punkte Mexican Prooof
Alex (23.04.13): Zu heftig der Film ohne Scheiss!!!
natasha (03.05.10): Ich persöhnlich finde den Film sehr erschreckend, grausam und gruselig, weil man mit keinem Menschen auf der Welt so umgehen sollte, allerdings erkläre ich den Film trotzdem für sehr gut und sinnvoll, denn viele Menschen kennen solches Leid überhaupt nicht. Man sollte den Film im Fernsehn (wenn er noch nicht gelaufen ist) oder den Schülern in der Schule zeigen, so wie wir es in Erdkunde gemacht haben, weil wir uns zur Zeit mit Afrika beschäftigen. (Als der Film 2005 in die Kinos kam war ich noch zu jung und habe davon auch nichts mitbekommen.) Außerdem haben wir in der Schule ausgiebig über den Film gesprochen. Mein Fazit aus den Film:" Man kann auch Hoffnung haben und Nächstenliebe beweisen in einer Zeit zwischen Krieg, grausamem Leiden und dem eigenen Tod, wie der Film und die Hauptrolle Paul klar stellen."
Uta (08.04.08): Wo verurteile ich denn wen pauschal? Die Paderborner Kinobesucher? Woraus liest du das - bitteschön?
Gromit (07.04.08): @Uta: Ich hab überhaupt nichts davon gesagt, ob ich so Punkte für Schindlers Liste vergeben würde oder nicht. - Ich wehre mich nur gegen deine vollkommen überzogene pauschale Verurteilung von "Paderborner Kinobesuchern" und "den Kommentaren" (Mehrzahl) aufgrund eines von dir aus dem Zusammenhang gerissenen Satzes. Die von dir kritisierte Kritik ist insgesamt nicht respektlos und dann braucht man wegen eines (wie ich schon sagte sicher ungeschickten) Satzes nicht die verbale Keule rauszuholen. Und vor allem braucht man nicht andere Leute da mit reinziehen, die damit nichts zu tun haben. Ich lass mich von dir nicht in die Ecke mit den Respektlosen stellen. Das ist respektlos von dir. - Sonst hab ich dazu nichts mehr zu sagen.
Uta (07.04.08): Daraus eine Respektlosigkeit abzuleiten ist überzogen? Nun, dann überleg doch mal, warum du Schindlers Liste eben nicht mit 'Schindlerjuden' bewerten würdest, ob nun mit einem oder mit 10? Es ist der Respekt vor den Opfern, der dich davon abhalten würde und das ist ganz richtig. Warum also nicht den gleichen Respekt vor den ermordeten und überlebenden Opfern Ruanda? Und warum eigentlich fühlst du dich so tödlich beleidigt, wenn ich das Bild aufnehme und mit Paderborner Kinobesuchern bewerte - wobei ich gar nicht sie bewerte, sondern die hier abgegebenen Kommentare. In diesem Fall empfindest du offenbar schon, wie beleidigend das sein kann. Und da hältst du dein Beleidigtsein kein bißchen für überzogen. Vielleicht versuchst du nur mal eine Sekunde, dich in einen Angehörigen eines 'gefällten großen Baumes' hineinzuversetzen, der das hier liest. Ich denke, das ist schon eine andere Opferkategorie als jemand, der Opfer einer kritischen Anmerkung wie der meinen geworden ist.
Gromit (06.04.08): @Uta: Ich bin ja auch der Meinung, dass die Wortwahl bei der abschließenden Punktevergabe nicht besonders glücklich ist. Allerdings daraus eine "Respektlosigkeit" abzuleiten und allen Paderborner Kinobesuchern eine "1" zu geben, finde ich absolut überzogen. Wenn du den Rest der Kritik gelesen hast, wirst du jawohl auch gesehen haben, dass diese durchaus nicht respektlos ist. - Also bitte die Kirche im Dorf lassen.
Uta (04.04.08): Lieber Gromit, wenn du den den Film gesehen hast, dann weisst du sicher, dass die 'gefällten großen Bäume' in der Sprache der ruandischen Völkermörder 'tote Tutsi' bedeuten, dass die beträchtlich überwiegende Zahl der Tutsi-Waisenkinder den Völkermord nicht überlebt haben und dass viele Tutsikinder wiederum den Völkermord nur als Waisenkinder überlebt haben. Und du weisst, warum die Kravatte ungebunden blieb. Ich denke, ein bißchen Respekt ist da schon angebracht.
Gromit (28.02.08): @Uta: Richtig, weil Schindlers Liste grauenhaftern Hollywood-Kitsch ist, hat er so viele Punkte auch gar nicht verdient... - Mal im Ernst: Statt hier Leute zu beleidigen, die du gar nicht kennst, hättest du mal besser etwas Energie auf ein stringentes Argument verwendet. Was genau kritisierst du weswegen?
Uta (28.02.08): 8 von 10 ungebundenen Krawatten? 10 von 10 Tutsi-Waisenkindern??? 10 von 10 gefällten Bäumen???? Leute, bitte überlegt euch mal, was ihr schreibt. Ich denke nicht, dass ihr 'Schindlers Liste' mit 10 von 10 vergasten Schindlerjuden bewerten würdet. Erschüttert und bewegt sein ist ja gut und schön. Aber das Denken sollte dadurch nicht ausgeschaltet werden. 1 von 10 Paderborner Kinobesuchern!
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