Hereafter - Das Leben danach
Drama, USA 2010, 128 Minuten, ab 12, Prädikat: Besonders wertvoll
Originaltitel: Hereafter; Deutschlandstart: 27.01.2011 (Warner Bros.); Regie: Clint Eastwood; Produktion: Clint Eastwood, Steven Spielberg u.a.; Drehbuch: Peter Morgan; Musik: Clint Eastwood; Kamera: Tom Stern; Schnitt: Joel Cox, Gary Roach

mit Cécile De France (Marie Lelay), Thierry Neuvic (Didier), Jay Mohr (Billy), Richard Kind (Christos), Matt Damon (George Lonegan), Frankie McLaren (Marcus / Jason), George McLaren (Marcus / Jason), Lyndsey Marshal (Jackie Rebekah) u.a.

Filmplakat
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Ich finde, diese Gabe ist eine Verpflichtung. - Das ist keine Gabe, Billy, das ist ein Fluch. - Billy findet, dass George seine Fähigkeiten nutzen muss.

Plot: Die französische Journalistin Marie LeLay (Cécile de France) ist gerade im Urlaub in Thailand, als ein Tsunami auf die Küste zukommt. Sie wird von der Welle überrollt, ohmächtig und ertrinkt. Allerdings hat sie das Glück, wiederbelebt zu werden und vom Jenseits ins Leben zurückzukehren.
In Amerika arbeitet George Lonegan (Matt Damon) als kleiner Arbeiter und versucht, so normal wie möglich zu leben. Was ihm allerdings dadurch erschwert wird, dass er nach einem Unfall die Gabe hat, mit Toten kommunizieren bzw. ihre Schwingungen empfangen zu können, sobald er jemanden berührt, aus dessen Umfeld jemand Nahestehendes gestorben ist. Georges sehnlichster Wunsch ist es, eine normale Beziehung zu einer Frau zu haben und nicht mehr von anderen wegen seiner Gabe angesprochen und ausgenutzt zu werden.
In London werden die Zwillingsbrüder Marcus und Jason (George & Frankie McLaren) jäh auseinander gerissen, als einer von ihnen bei einem Autounfall ums Leben kommt. Der andere muss trotz des Verlustes und schwieriger familiärer Verhältnisse sein Leben weiter leben und wieder in den Griff bekommen. Alle müssen ihrer Erfahrungen mit dem Thema „Tod“ verarbeiten und werden durch das Schicksal letztlich zusammengeführt...

Kritik: Eigentlich ist Clint Eastwood DER Meister des langsamen Erzählkinos. Wenn Eastwood inszeniert, weiß man, dass es mit Sicherheit ein Film wird, der zwar sehr ausschweifend und langsam erzählt, aber immer mitreißend und nie langweilig ist. Er nimmt sich stets viel Zeit für seine Figuren und ist kein Regisseur für ein effekthascherisches Popkornkino. Das zeichnet seine Filme aus und lässt sie stets von höchster Qualität sein. Somit ist ein Eastwood-Film für mich auch immer ein Highlight eines Kinojahres...
Diesmal allerdings nicht! Denn Eastwood überschreitet bei Hereafter eindeutig die Grenze vom langatmigen Erzählen zur puren Langweile. Startet der Film noch ganz Eastwood-untypisch mit einem bombastischen atemberaubenden Specialeffect-Feuerwerk, wenn der Tsunami auf die Küste trifft, so dümpelt der Film im Mittelteil nur noch dahin und bleiernde Langeweile stellt sich ein.
Zum Glück wird der Film zum Ende hin wieder etwas fesselnder.

Dass der Mittelteil von Hereafter eher langweilig denn interessant ist, liegt aber nicht nur an Eastwoods Erzählstil, sondern auch daran, dass bei diesem Film den Figuren zwar wieder sehr viel Raum gegeben wird, sie aber dem Zuschauer trotzdem unnahbar bleiben. Ich zumindest konnte nicht viel Sympathie oder Gefühlsnähe zu den Figuren aufbauen. Einzig der Erzählstrang mit den Brüdern und somit die Figur des einen Jungen ist mir Nahe gegangen, wobei ich auch hier manches an der Geschichte übertrieben fand.
Auch der sonst so gute Erzählstil Eastwoods konnte mich dieses Mal nicht überzeugen. Einerseits das Springen zwischen drei Erzählsträngen, die dann eher unspektakulär und in meinen Augen gekünstelt zusammengefügt wurden. Dann der Wechsel zwischen ausgiebiger Fokussierung auf eine Figur und einen Zeitraum, um dann plötzlich wieder einen großen Zeitsprung zu machen. Alles wirkt auf mich nicht befriedigend, auch wenn Eastwoods guter Wille und sein inszenatorisches Können durchaus zu Erkennen sind.
Vielleicht hat sich Hereafter mir auch einfach nur nicht so richtig erschlossen, weil er im Grunde nicht wirklich Eastwood-typisch ist. Sei es vom Genre her. Sei es, weil Eastwood erstmalig mit einer riesigen Effektszenerie zu Beginn arbeitet, um dann doch wieder in trockenes Erzählkino zu verfallen. - Oder sei es, weil Eastwood hier eine leichtverdauliche emotionale Story komplett verweigert.
Irgendwie wirkt das für Clint Eastwood zu experimental und europäisch. Einerseits ehrt es Eastwood, wenn er auf seine alten Tage noch filmisches Neuland beschreitet. Hat er mit seiner Kriegsfilm-Combo Flags of Our Fathers & Letters From Iwo Jima ja schon mal recht überzeugend gemacht. Mir gefällt es bei Hereafter so aber nicht und ich wünsche mir den alt bekannten Clint wieder, wo man weiß, was man bekommt.
Somit ist dieser Film also nur denjenigen zu empfehlen, die sich auf Eastwoods Odyssee komplett einlassen können. Alle anderen werden mit dem Film nicht viel anfangen können und sich größtenteils langweilen.

Fazit: Hereafter ist leider ein für Clint Eastwood-Verhältnisse schlechterer Film. Streckenweise viel zu langweilig und die Figuren lassen einen eher kalt. Auch inszenatorisch geht es besser. Weil ein Eastwood-Film aber nie wirklich schlecht ist, gibt es noch 6 von 10 Kochkursen.

Sebastian Schwarz
03.02.2011

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556 Stimmen
Schnitt: 5.1
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Leser-Kommentare:
Nikolas (09.02.11): Also ich kann Sebastian im Gesamtbild, und das ist selten, nicht zustimmen: Der Film ist, wie immer bei Eastwood, langsam erzählt und ich gebe zu, zu Beginn war es mir streckenweise einen Tacken zu langsam. Aber je weiter der Film voranschreitet, desto mehr legte sich das in meinen Augen. Auch die Figuren konnten mich berühren, dabei Matt Damon noch am meisten. In jedem Fall verließ ich am Ende das Kino mit dem Gefühl, in einen Eastwood kann man wirklich blind gehen, davon hat man immer was! Und besonders schön, trotz der anfänglichen Tsunamisequenz, fand ich, dass ein Film mit Jenseitseffekten sich nicht auf die Effekte, sondern auf deren Wirkung auf die betreffenden Personen konzentriert. Das hätte leicht daneben gehen können. Das ist jetzt etwas knapp als Kontrakritik, aber ich gebe gute 8 von 10 Türen, die ungeöffnet bleiben sollten
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