Tsotsi
Drama, Südafrika/GB 2005, 94 Minuten, ab 12
Originaltitel: Tsotsi; Deutschlandstart: 04.05.2006 (Kinowelt); Regie: Gavin Hood; Produktion: Sam Bhembe, Paul Raleigh u.a.; Drehbuch: Gavin Hood nach dem Roman von Athol Fugard; Musik: Paul Hepker, Mark Kilian; Kamera: Lance Gewer; Schnitt: Megan Gill

mit Presley Chweneyagae (Tsotsi), Mothusi Magano (Boston), Israel Makoe (Tsotsis Vater), Percy Matsemela (Sergeant Zuma), Jerry Mofokeng (Morris), Benny Moshe (der junge Tsotsi), Nambitha Mpumlwana (Pumla Dube), Zenzo Ngqobe (Butcher), Kenneth Nkosi (Aap), Thembi Nyandeni (Soekie), Terry Pheto (Miriam), Ian Roberts (Captain Smit), Rapulana Seiphemo (John Dube), Owen Sejake (Gumboot Dlamini), Zola (Fela) u.a.

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Tsotsi und seine Gang.
Die junge Mutter Miriam. Tsotsi weiß nicht so recht, was er mit dem Baby anfangen soll. Tsotsi mit dem Baby vor der Skyline von Johannesburg.

Was willst du? - Rüber da! Setz dich! Los hinsetzen! - Tu ihm nichts. Nicht dem Baby, hörst du? - Ich tu dem Baby nichts. Leg es aufs Bett! In der Tüte! - Was? - Los, kuck mal in die Tüte! ... Still das Baby! Ich werde erst gehen, wenn du es gestillt hast. Los, mach schon! Wird's bald?! - Wo ist seine Mutter? - Er gehört mir. Wenn du was sagst, bring ich dich um, klar? - Tsotsi zwingt die junge Mutter Miriam, das Baby zu stillen.

Plot: Tsotsi (Presley Chweneyagae) ist ein junger Südafrikaner und Anführer einer Jugendgang in Johannesburg. Sein Leben ist geprägt von Gewalt und Skrupellosigkeit im rücksichtslosen und erbitterten Kampf ums Überleben. Als er eines Nachts ein Auto klaut, macht er jedoch auf dem Rücksitz eine Entdeckung, die sein Leben schlagartig für immer verändert..

Kritik: Der diesjährige Gewinner des Oscars für den besten ausländischen Film nimmt die aussichtslose Lage in Südafrika und hier speziell Johannesburg ins Visier. Neben Aids ist vor allem die Kriminalität ein großes Problem. Die Grenzen der Bevölkerung verlaufen schon lange nicht mehr zwischen Schwarz und Weiß, sondern zwischen Arm und Reich. Tsotsi, was übersetzt soviel wie Gangster heißt, schildert einen der vielen Versuche, in dieser von Armut, Ausweglosigkeit und daraus resultierender Verzweiflung geprägten Welt zu überleben. Tsotsi ist ein junger Mann, der schon von Kindesbeinen an in Gestalt seines Vaters mit Gewalt konfrontiert wurde und früh gelernt hat, in einer solchen Welt zu überleben und sich zu behaupten. Schon in den ersten Minuten erleben wir, wie er und seine Gang einen älteren Mann ins Visier nehmen, der unvorsichtig genug war, sein gefülltes Portemonnaie offen zu zeigen. Eiskalt berechnend wird er in eine Bahn verfolgt, inmitten des Gedränges umstellt und, ohne dass es jemand bemerken würde, aufgrund des ersten kleinen Widerstandes erstochen. Doch auch hier gibt es einen Wendepunkt, an dem die Hauptfigur urplötzlich mit einer neuen Situation konfrontiert wird, die sich mit Gewalt nicht lösen lässt. Nicht nur an dieser Stelle fühlt man sich stellenweise an den schwedischen Film Evil erinnert, der eine in den Grundzügen ähnliche Geschichte erzählte, bei den Oscars aber leer ausging.

Wie Andreas Wilson zeigt auch Presley Chweneyagae hier eine beeindruckende Debutleistung: Schon mit dem ersten Blick portraitiert er Tsotsi als jemanden, der Gewalt und Kriminalität als Lösung für alle Lebenslagen nicht nur zu akzeptieren gelernt hat, sondern in ihrer Anwendung immer effizienter geworden ist. Doch als er eines nachts ein Auto stielt und dessen Fahrerin dabei lebensgefährlich verletzt, passiert es: Nach wenigen Metern entdeckt er auf dem Rücksitz ein Baby, das ihn hilflos und mit großen Augen ansieht. Ein Moment, in dem die gewaltvolle Lebensstrategie in sich zusammenfällt wie ein Kartenhaus. Und wieder bedarf es nur eines Blickes, um dies glaubwürdig herüberzubringen. Zunächst hoffnunglos überfordert, bringt das Kind jedoch nach und nach die vergessene Persönlichkeit Tsotsis zu Tage und er beginnt, nach neuen Wegen zu suchen, mit der Situation umzugehen. Auch wenn die erste darin besteht, eine junge Mutter mit vorgehaltener Pistole zum Stillen zu zwingen.
Langsam aber sicher vollzieht sich das biblische Motiv des Saulus, der zum Paulus wird. Nur mit dem Unterschied, dass hier von Anfang an die Ausweglosigkeit aus der Kriminalität wie ein Damoklesschwert über jedem guten Willen hängt, ein neues Leben zu beginnen. Denn ein besseres Leben, das aus einem Verbrechen hervorgeht, hat von vornherein keine Zukunftsperspektive. Zumindest nicht in dieser Welt.
Gavin Hood, hierzulande kaum bekannt, wirft mit Tsotsi einen geradezu intimen Blick auf die Untergrundwelt Südafrikas, wobei er es versteht, sich von Klischees fernzuhalten und Geschichte wie Charaktere im Bereich des Glaubhaften zu zeigen. Lediglich zum Ende hin biedert sich der Film doch ein wenig zu sehr dem Mainstream an, nimmt das gelungene Independent-Werk zu sehr Hollywood-Form an. Was wiederum einer der Gründe für den Oscargewinn gewesen sein mag. Aber ganz ohne Makel kommt schließlich kaum ein Film aus.

Fazit: Starker Independentfilm, der beinahe ausschließlich von der Ausdruckskraft von Schauspieldebutant Presley Chweneyagae getragen wird. Trotz des spürbaren Wunsches, ein Hollywood-Film sein zu wollen, in jedem Fall sehenswert. 8 von 10 mit zwei Tritten beendeten Kindheiten.

Nikolas Mimkes
26.05.2006

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