Departed
Thriller/Drama, USA 2006, 155 Minuten, ab 16, Prädikat: besonders wertvoll
Originaltitel: The Departed; Deutschlandstart: 07.12.2006 (Warner Bros.); Regie: Martin Scorsese; Produktion: Michael Aguilar, G. Mac Brown u.a.; Drehbuch: William Monahan nach der Drehbuchvorlage von Siu Fai Mak und Felix Chong; Musik: Howard Shore; Kamera: Michael Ballhaus; Schnitt: Thelma Schoonmaker

mit Leonardo DiCaprio (Billy Costigan), Matt Damon (Colin Sullivan), Jack Nicholson (Frank Costello), Mark Wahlberg (Dignam), Martin Sheen (Oliver Queenan), Ray Winstone (Mr. French), Vera Farmiga (Madolyn), Anthony Anderson (Brown), Alec Baldwin (Ellerby), Kevin Corrigan (Cousin Sean), James Badge Dale (Barrigan), David O'Hara (Fitzy), Mark Rolston (Delahunt), Robert Wahlberg (Lazio), Kristen Dalton (Gwen) u.a.

Filmplakat
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Was wollen Sie? - Soll ich ehrlich sein? ... Valium. - Ahhh. Also hätten Sie gelogen, wären Sie wahrscheinlich schneller am Ziel gewesen. - Was sagt dies über Ihren Beruf aus? - Wir sollten ein paar Sitzungen mehr gehabt haben, bevor wir überhaupt über Medikamente reden. - Hören Sie mal, ich habe Panikattacken, alles klar? Auf dem Weg hierher habe ich in eine Mülltonne gekotzt. - Billy kommt mit seinen Ängsten nicht mehr klar.

Plot: Angelehnt an den Hong Kong Thriller Infernal Affairs von 2002, erzählt Departed - Unter Feinden die Geschichte des Bostoner Undercover-Polizisten Billy Costigan (Leonardo DiCaprio), der die kriminellen Kreise des Mafia-Syndikats um den Big Boss Frank Costello (Jack Nicholson) infiltriert, ohne jedoch zu wissen, dass auch Costello einen Agenten, Collin Sullivan (Matt Damon), in die Reihen des Police Department eingeschleust hat.
Beide Doppelagenten geraten in ein diffuses Spiel um Täuschung und Gewalt, und müssen schon bald um ihr Leben fürchten. Um die eigene Haut zu retten, versuchen beide Seiten fieberhaft, so schnell wie möglich die Identität des feindlichen Agenten zu enttarnen. Währenddessen scheint Mafia-Boss Costello allmählich in den Wahnsinn abzudriften.

Kritik: Departed ist Scorseses bester Film seit langem. Auch wenn Gangs of New York und insbesondere Aviator mit mehrmaligem Sehen immer neue Qualitäten hinzugewinnen, die man bei derart epischen Leinwand-Spektakeln am Anfang leicht übersieht, so fehlte Scorseses letzten Filmen vor allem eine klare dramaturgische Struktur - opulente Ausstattung und verspielte Kamerafahrten standen im Vordergrund, viele Handlungsstränge verliefen ohne klares Ziel ins Leere.
Bei Departed verhält es sich anders. Die entscheidende Qualität des Films ist sein klarer Rhythmus: ein fiebriges Tempo, das unaufhaltsam auf ein blutiges Finale hinpulsiert und den gesamten Film über eingehalten wird. Die weiten Kameraschwenks sind so gut wie verschwunden, es dominieren Nahaufnahmen gestresster, verängstigter oder einfach nur - im Falle Frank Costellos - dämonischer Charaktere, rasant geschnitten und montiert. So einfach die Grundstruktur der Story ist, der Kampf zweier Institutionen dies- und jenseits des Gesetzes sowie die Identitätsprobleme ihrer Grenzgänger, zweier Undercoveragenten, so bedrückend und packend ist die Atmosphäre des Films. Unterstützt von irisch-folkloristischen Rockklängen treibt der Film mit einer Wucht voran, dass man fast glaubt, Scorsese selbst wäre mit einer ähnlichen Wut am Werke gewesen wie seine Filmfigur Billy Costigan.

Gespielt wird Costigan von Leonardo DiCaprio, der sich mit seinem dritten Scorsese-Streifen endgültig auf Top-Niveau eingespielt hat. War die Rolle als zorniger Rächer in Gangs of New York an der Seite eines genialen Daniel Day-Lewis noch eine Nummer zu groß, wirkt seine innere Zerrissenheit und seine unbändige Wut nun absolut glaubhaft und beeindruckend: Keine Frage, DiCaprio ist durch Scorsese zu einem großen Darsteller geworden. Jack Nicholson war natürlich schon vor Departed eine Schauspieler-Legende, und es gibt einige amerikanische Kritiker, die ihm vorwerfen, etwas zu sehr den fiesen alten Jack zu geben, den man aus unzähligen Filmen kennt. Und dennoch wirkten Nicholsons mimische Tricksereien in früheren Filmen, speziell in der unsäglich verunglückten Schmonzette Besser geht’s nicht, oftmals willkürlich und etwas eitel, ist der diabolische Jack in Departed endlich an seinem Ziel angekommen: Hier kann er gewissermaßen die düstere Seite seines Repertoires, die auch in komödiantischen Rollen immer zu erahnen war, voll und ganz ausleben. Derart abgründig war Nicholson seit The Shining nicht mehr. Somit sind er und DiCaprio die beiden herausragenden Schauspieler in einem durchweg starken Ensemble.
Ich will zwar nicht unnötig herummäkern, aber ein paar kleinere Einwände habe ich schließlich doch: Zwar bildet das Duell der Widersacher Sullivan und Costigan das dramaturgische Gerüst des Films, die amouröse Dreiecksgeschichte, in die das Drehbuch die Beiden verstrickt, ist jedoch zu stark konstruiert. Darüber hinaus hat der Film, so rasant sein Tempo auch bis zuletzt bleibt, offensichtlich Probleme, zu seinem Ende zu kommen. So reihen sich einige Sequenzen aneinander, die jede für sich ein wenig darauf drängt, das Gesamtwerk pointiert abzuschließen, bevor die Handlung dann doch noch ein ganzes Stück weiterläuft. Hier liegt vielleicht noch der kleine qualitative Unterschied zu dem Meisterwerk des Genres, Brennpunkt Brooklyn, über den man auf sehr hohem Niveau meckern könnte. Derart trocken und magisch wie das Meisterwerk aus den frühen siebziger Jahren endet Departed nicht. Aber man kann ja nicht alles haben.

Fazit: Rasanter Thriller aus dem Gangstermilieu, mit einem kontrolliert durchgeknallten Jack Nicholson und einem impulsiven DiCaprio: 9 von 10 Identitätskrisen von Undercover-Agenten!

Dominik Rose
12.12.2006

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278 Stimmen
Schnitt: 5.4
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Leser-Kommentare:
Nikolas (05.01.07): Kleines P.S.: Ich stimme nicht nur dem von Dominik erwähnten fiebrigen Tempo zu, dass den unausweichlichen Schatten des Endes vorauswirft, sondern v.a. auch der Wut, mit der Scorsese hier am Werk gewesen sein muss: Hat es in der Vergangenheit immer wieder nicht für den Oscar gereicht, hat er hier mit einer gutgeführten Brechstange gearbeitet. Ein für alle Mal, wenn nicht jetzt, dann nie! Und wenn so ein guter Film nicht gewinnt, nun, dann stellen sich die Oscars mal wieder selbst ein wenig in Frage!
Nikolas (04.01.07): Ich glaube, viel ist all dem nicht mehr hinzuzufügen: Der wichtigste Senf von mir:
1. Bester Scorsese Film seit Goodfellas, er ist endlich wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt.
2. Von Gilbert Grape abgesehen hat DiCaprio endlich als Schauspieler bestanden, denn im Gegensatz zu Aviator hat er sich in meinen Augen zum ersten Mal wirklich in seine Rolle verwandelt und ist nicht mehr nur ein sehr gut spielender Leo geblieben. Respekt!
3. Fand ich Jack Nicholson bisher in Besser geht's nicht genial, ist sie seit Departed für mich beinahe existenzunberechtigt: Denn seit Shining war er nicht mehr so abgründig genial! Quasi eine Darstellung ein für alle Mal! Jetzt kann er wieder die netten Rollen spielen... *grins*
4. Längen gab es IMO kaum, zumindest kann ich das nicht direkt benennen. Aber der Film macht schon spätestens ab der Hälfte klar, dass aus diesem Film keier mehr lebend herauskommt und die Art, wie das Ende dann daherkommt, ist schlicht schnörkellos, trocken und konsequent.
Hut ab! Mit der beste Film dieses Jahres! Von mir gibt es ebenfalls 9 von 10 Dialogen, die Gansta-Rapper vor Neid erblassen lassen würden

Olaf (22.12.06): @Christina: Da brauchst du keine Minderwertigkeitskompexe zu haben. Die Kommentare sind genau dafür da, dass Filmfans ihre (begründete) Meinung wiedergeben können. Da muss kein professioneller Background dahinter sein, den die Redaktion im übrigen auch nicht hat. - "Freundliche" Kommentatoren weisen uns ja auch oft genug darauf hin, dass wir "keine Ahnung" hätten... ;-)
Christina (22.12.06): Nun kenne ich leider Infernal Affairs nicht: aber so völlig unvorbelastet hat mir The Departed ausgesprochen gut gefallen, vor allem Leo DiCaprios' Darstellung. Ein wirklich großer Schauspieler (verweise, wie Sebastian, auf Gilbert G. = Großartig). Ansonsten habe ich das Gefühl, hier schreiben viele Studenten/innen der Filmwissenschaften, da kann ich leider nicht mithalten und "nur" meine Meinung als großer Filmfan wiedergeben ;-) und bei mir würde der Film 8 Punkte erhalten. Als nächstes ist dann aber wohl mal das Original Pflicht.
Markus (19.12.06): Ähhh, leute - so brutal war der nu' auch nicht. Wenige Szenen in denen mal Blut spritzt... das ist jetzt aber mal nicht übertrieben Gewalttätig. Vermutlich sind das die Leute, die bei KillBill Vol1 sich noch das Popkorn reingeschaufelt haben... also bitte.
Sandra (17.12.06): Obwohl ich Infernal Affairs ebenfalls gesehen habe, der deutlich kürzer ist als Departed, wüßte ich nicht, was man hätte aus Departed herausschneiden können. Ich fand ihn nicht langatmig, sondern sehr spannend. Scorsese hat sich für seine drei Hauptcharaktere viel Zeit gelassen, jedoch ohne das es jemals langweilig wird. Und wer jetzt immer noch behauptet, DiCaprio hätte es schauspielerisch nicht drauf, dem kann keiner mehr helfen, denn er liefert eine 1A Leistung ab. Damon entgegen seinen üblichen Charakterrollen einzusetzen war recht mutig, hat aber auch gut funktioniert. Da Colin jedoch eher ein introvertierter Charakter ist, konnte er nicht so überzeugen wie DiCaprio. Und Nicholson, dazu muss ich glaube ich nichts mehr sagen, oder? ;-) Übrigens musste ich wieder einmal feststellen, dass ich ein Fan der Ballhaus´schen Kameraführung bin, einfach genial. Sicherlich ein harter und brutaler Thriller, aber auch einer der Gewalt darstellt wie sie ist: Sinnlos und zerstörend. Rein gar nichts an diesem Film ist Splatter oder gar gewaltverherrlichend. Einer von Scorseses besten Filmen. Ich gebe 9 von 10 Treffen auf dem Dach!
Dominik (17.12.06): @Alex: Ich glaub, Scorsese hat die Gewalt nie als stilistisches Mittel eingesetzt. Er wollte sie immer bloß so zeigen, wie sie ist, das hat er schon in Taxi Driver und Wie ein wilder Stier praktiziert. Gewalt soll dumpf sein und abschrecken, also wäre er mit deiner Reaktion durchaus einverstanden!
Thomas (16.12.06): ab 16? Diese Splatterfilm ist ab 16? Achso, es kamen keine nackten T... vor deshalb, und die einzige Bettszene war unkenntlich. Ansonsten aber unnötige Splatterei :(
Alex (16.12.06): Ich kann den Hype nicht ganz nachvollziehen. IntAf. war deutlich spannender als Deslayed pardon Departed. Zudem: Ist diese übertriebene Gewaltdarstellung wirklich nötig? Ein spannender Film hat es nicht nötig, Kopfschüsse mit spritzendem Blut und Körperteilen/-flüssigkeiten als stilistisches Mittel zu benutzen. (Sowas sollte verboten werden, und keine Computerspiele aka Egoshooter, doch das ist ein anderes Thema). Durch die übertriebene und unnötige Gewaltdarstellung nur noch 5 von 10 fliegenden Blutbeuteln.
Sebastian (14.12.06): Departed ist das Remake des Hong Kong-Films Infernal Affairs, der als einer der besten Cop-Filme überhaupt gilt! Von daher hatte das Vorhaben das Remake Departed zu drehen, unter Cineasten einen schweren Stand. Würde das Remake dem Original das Wasser reichen können? Ich muss sagen: Es kann! Wobei ich auch sagen muss, dass ich Infernal Affairs zwar sehr, sehr gut, aber nicht so überragend finde, wie andere Leute!
Departed bügelt Schwächen des Originals aus, wirft aber eigene auf!
Ich weiß zwar nicht wo Dominik "das fiebrige Tempo" und "die treibende Wucht" sieht, denn gerade das fehlt dem Remake nämlich etwas im Vergleich zum Original. Als bildlichen Vergleich ist das Original ein Rennpferd und Departed eher eine Schildkröte! Wobei ich das aber gar nicht als so schlimm ansehe, denn da Infernal Affairs äußerst schnell im Erzähltempo und Schnitt ist, nimmt der Film sich nicht genug Zeit, um die Figuren näher auszuleuchten. Das ist das größte Manko des Originals! Zum Glück bügelt das Scorsese bei Departed aus und nimmt sich sehr viel Zeit für seine einzelnen Figuren und deren Vorgeschichte. Allerdings dann doch ein wenig zu viel Zeit, so dass der Film in der ersten Hälfte einige Längen bekommt. Zum Vergleich: Das Original läuft 97 Minuten, das Remake 155 Minuetn! Eine Mischung aus Original und Remake wäre da wohl das Optimale gewesen. Beim Original kommt die Vorgeschichte erst im zweiten Teil Infernal Affairs 2, da aber dann wesentlich ausführlicher.
Seltsamerweise wandelt Scorsese das Ende des Originals ab und nimmt der Geschichte damit die Aussage des Originals, die meiner Meinung nach gerade das besonders Gute an Infernal Affairs war! Aber das alte Ende passt halt mehr zur asiatischen Mentalität und nicht zur Westlichen. Deshalb haben Scorsese und Co. das vermutlich geändert.
Manche Figuren bekommen auch mehr Raum als im Original (z.B. die Psychaterin/die Dreiecksgeschichte ist im Original auch nicht so!) und es werden sogar (überflüssige) Figuren neu erfunden (Mark Wahlberg)! Seine Figur bringt zwar viele Lacher und frischen Wind in Departed, aber wenn man das Original kennt, weiß man, dass sie nicht unbedingt nötig ist!
DiCaprio, den ich immer schon für einen sehr guten Schauspieler gehalten habe (siehe z.B. schon in seinen jungen Jahren Gilbert Grape) spielt wirklich sehr, sehr gut! Über Nicholson braucht man gar nicht zu reden: Wie immer genial! Damon fand ich auch gut, wenn allerdings auch nicht so überzeugend, wie die anderen.
Ansonsten finde ich Departed alles in allem hervorragend! Er dürfte jedem gefallen, der etwas anspruchsvollere und sich Zeit lassende Thriller mag!
Wenn man allerdings Infernal Affairs 1 & 2 als einen Film zusammennimmt, kommt Departed da nicht ran! Jedoch als eigenständigen Film gesehen, gebe ich 9 von 10 Botschaften per SMS!
P.S. Ich kann nur jedem empfehlen, sich die Infernal Affairs-Filme mal anzuschauen! Zumindest 1 & 2, den dritten kenne ich auch nicht!

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