Broken Flowers
Komödie/Drama, USA/Frankreich 2005, 106 Minuten, ab -
Originaltitel: Broken Flowers; Deutschlandstart: 08.09.2005 (Tobis); Regie: Jim Jarmusch; Produktion: Jim Jarmusch, Jon Kilik u.a.; Drehbuch: Jim Jarmusch; Musik: Mulatu Astatke; Kamera: Frederick Elmes; Schnitt: Jay Rabinowitz

mit Bill Murray (Don Johnston), Julie Delpy (Sherry), Heather Simms (Mona), Brea Frazier (Rita), Mark Webber (The Kid), Jeffrey Wright (Winston), Alexis Dziena (Lolita), Sharon Stone (Laura Miller), Frances Conroy (Dora), Christopher McDonald (Ron), Chloë Sevigny (Carmens Assistentin), Jessica Lange (Carmen) u.a.

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Don wird von seiner Freundin Sherry verlassen. Winston will das Geheimnis des Briefs entschlüsseln. Dons Ex Laura und ihre Tochter Lolita. Don besucht Dora, eine weiter Verflossene.

Während der amerikanische Kultregisseur Jim Jarmusch dem heimischen Mainstreampublikum nahezu völlig unbekannt ist – eine Oscarnominierung könnte für ein wenig Aufklärung sorgen, ist der Autorenfilmer in Europa durchaus einem ansehnlichen Zuschauerkreis ein Begriff, nicht zuletzt durch seine jahrelange Präsenz auf diversen Filmfestivals. Jarmusch, der sich stets seine künstlerische Unabhängigkeit bewahrt hat und zum Beispiel auch in eigener Verantwortung die Lizenzen seiner Streifen managt, hat in den zurückliegenden über zwanzig Jahren unter anderem Werke wie Down by Law, Dead Man, Ghost Dog und zuletzt den Episodenfilm Coffee and Cigarettes gedreht.
Für Broken Flowers verlieh ihm die diesjährige Jury des Festivals in Cannes den Großen Preis. Den Film hat Jarmusch im übrigen dem früh verstorbenen französischen Filmemacher Jean Eustache gewidmet, ein weiteres Zeichen seiner Verbundenheit mit dem europäischen Autorenkino. Eustaches Ruhm verdankt sich, nur nebenbei, vor allem dem Anfang der siebziger Jahren gedrehten Film Die Mutter und die Hure (
La maman et la putain), einem äußerst sehenswerten Kultstreifen der Post-Nouvelle Vague-Ära.

Plot: Don „Juan“ Johnston (Bill Murray) lässt es eher ruhig angehen. Am liebsten hängt er auf seiner Couch ab und schaut sich – nicht das daran irgendetwas verkehrt wäre – alte Filme auf seinem Flatscreen-Bildschirm an. Seine aktuelle Flamme Sherry (Julie Delpy) verspricht sich jedoch mehr von einer Beziehung und sucht entnervt das Weite. Don bleibt relativ lethargisch und ungerührt zurück und beschränkt seine sozialen Kontakte auf gelegentliche Besuche beim Hobbydetektiv Winston (toll: Jeffrey Wright), der mit seiner äthiopischen Großfamilie – eine Art soziales Gegenstück zum vereinsamten Don – im Nachbarhaus wohnt.
Als ein mysteriöser rosa Briefumschlag in Dons Haus segelt, fühlt sich vor allem Winston auf den Plan gerufen, seinem hilfsbedürftigen Nachbarn ein wenig unter die Arme zu greifen. Dieser hat nämlich – so eröffnet ihm der anonyme Brief – einen unbekannten Sohn, der sich offenbar auf der Suche nach seinem Vater befindet. Don hat jedoch keinerlei Ahnung, von welcher seiner zahlreichen früheren Liebschaften die Nachricht stammen könnte, und eigentlich will er sich auch gar keine Gedanken darüber machen.
Winston jedoch zeigt sich fest entschlossen und erarbeitet eine genaue Reiseroute, die Don auf eine Odyssee quer durch die USA zu den Verflossenen aus längst vergangenen Tagen schickt. - Wird er irgendwo dort womöglich seinen Sohn aufspüren?

Kritik: Broken Flowers erreicht das bemerkenswerte Niveau, das sich Jarmusch über die Jahre erarbeitet hat, ohne seinem Gesamtwerk jedoch einen künstlerisch waghalsigen Höhepunkt á la Dead Man hinzuzufügen. Manche europäische Kritiker bemäkelten daher – bei insgesamt allerdings fast durchweg positiver Resonanz – die angebliche Glattheit des Films. Broken Flowers ist jedoch keineswegs eine Verleugnung der Ansprüche seines Regisseurs, er ist vielmehr etwas fröhnlicher und weniger düster als das meiste, was Jarmusch in seinem Leben gedreht hat. Broken Flowers spielt fast durchweg bei Tage, an die Stelle der düsteren Farben der Vergangenheit treten einige rosa Farbkleckser.
Durchweg klasse ist der Film, wenn Bill Murray und Jeffrey Wright gemeinsam auf der Leinwand agieren. Murrays Qualitäten kommen erst in jenen Momenten so richtig zur Geltung, wenn ihnen die umtriebige Schrulligkeit von Wright gegenübergestellt wird. Da hat Broken Flowers, so in einer äußerst komischen „Handy- Szene“, seine besten Momente. Die Roadmovie-Episoden, die Don Johnston auf seiner Reise in die Vergangenheit zeigen, sind in ihrem gemächlichen Tempo – und das trifft auch auf Murrays schauspielerische Leistung zu – stets zwischen pointierter und manchesmal leicht überzogener Lakonie angesiedelt. Sehr gelungene Sequenzen entschädigen voll und ganz für weniger inspirierte Momente, in denen der Film nicht so Recht voranzukommen scheint.
Besonders gut gelungen sind die Begegnungen Don Johnstons mit zwei seiner Exfreundinnen: Die Witwe Laura (Sharon Stone) lebt mit ihrer frühreifen exhibitionistischen Tochter Lolita (!) im etwas engen Eigenheim. Bevor die auftretenden erotischen Spannungen Don zu einem notgeilen Humbert Humbert machen, ergreift er lieber die Flucht. Die großenteils improvisierten Dialoge sind gerade hier so gut, dass man dieser angerissenen Episode noch mehr Zeit wünschen möchte. Ebenso wie dem skurrilen Aufeinandertreffen mit Carmen (sehr kurz und sehr stark: Jessica Lange), einer ehemaligen Jura-Studentin, die nun eine skurrile psychologische Tierpraxis führt und rege Kommunikation mit diversen Vierbeinern praktiziert! Was sich in diesen Szenen zwischen Don, Carmen und der raubtierhaften Sekretärin (Chloe Sevigny, Boys Don´t Cry) abspielt, hätte ruhig noch weiter ausgeführt werden können.

Fazit: All jene Skeptiker, die bei Broken Flowers eine pädagogische Läuterungsgeschichte befürchten, seien beruhigt: Der Weg ist bei Jarmusch das Ziel, und Hollywood ist so fern wie eh und je. 8 von 10 amourös-melancholische Odysseen durch die sozialen Lebenswelten der USA!

Dominik Rose
10.09.2005

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27 Stimmen
Schnitt: 4.8
cgi-vote script (c) corona, graphics and add. scripts (c) olasch

Leser-Kommentare:
mimi (19.11.09): Aber sehr interessant, dass am ende murray's echter sohn im auto vorbei fährt!
Martin Zopick (01.09.08): Am Regisseur Jim Jarmusch scheiden sich die Geister: den einen sind seine Kameraeinstellungen zu lang, die Handlung zu dürftig – zu wenig Action – und die Schauspieler agieren oft mit Gesichtslähmung. Für andere hingegen machen gerade diese Kriterien die Qualität der Jarmuschfilme aus. Der in die Jahre gekommene Computerexperte Don Johnston – mit „t“ – bekommt einen rosaroten Brief, in dem ihm eine Verflossene mitteilt, dass sie vor etwa 20 Jahren einen Sohn von ihm bekommen hat. Vom Nachbarn gedrängt, beginnt Don nach der möglichen Mutter seines Sohnes zu suchen. Auf seiner Reise trifft er die skurrilsten Vertreterinnen der amerikanischen oberen Mittelschicht: eine Maklerin in sterilem Ambiente mit hohlem Ehemann, eine Tierpsychologin, die hört, was die Tiere sagen, ein übrig gebliebener Althippie-Freak bei der ihm von ihren Freunden das Licht ausgeknipst wird. Und schließlich einen Tramper, der sein Sohn sein könnte – sicher ist man aber nicht. Ihm teilt er seine Lebensphilosophie mit: “Die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft noch nicht da, alles was zählt ist das Jetzt.“ Wenn man sich die Zeit nimmt und mit auf das Roadmovie geht, bemerkt man die vielen kleinen Hinweise, die wie bei einer Schnitzeljagd den Weg weisen könnten.(rosa Brief, Bademantel, Visitenkarte, Schreibmaschine, Schleife am Rucksack) Doch sicher ist hier gar nichts. Vor allem das Ende hinterlässt viele Zuschauer ratlos. Hat Don denn nun seinen vermeintlichen Sohn gefunden oder nicht? Darauf kommt es anscheinend überhaupt nicht an. Die Suche ist Selbstzweck, der Weg ist das Ziel. Dem suchenden Don geht es eigentlich besser – er ist aktiv - als dem daheim auf der Couch liegenden, Fernsehenden Nichtstuer.
zebee (13.06.06): Nun, ich zaehle mich gewiss nicht zu den Leuten, die "nur ein bischen Unterhaltung" wollen. Trotzdem konnte ich mit dem Film nichts anfangen und kann nicht nachvollziehen, warum er von einem Teil des Publikums so hoch gelobt wird. Dass am Film etwas "bemerkenswert niveauvoll" sein soll oder Bill Murray "super gespielt" hat, kann ich nicht bestätigen. Ich habe den Film eher als Zeitverschwendung empfunden und kann mich Arnd und joel anschliessen. Will sagen: Den Film muss man nicht einfach gut finden, nur weil man vom "Hollywood-Brei" schon gesättigt ist.
Gustl (31.03.06): Der Film polarisiert auf jeden Fall wie auch die Kritiken zeigen. Für mich ein interessanter Film mit toller Musik, einer gewissen Komik, tollen Schauspielern. Enttäuschend ist das offfene Ende, da man hofft doch noch "wirklich" überrascht zu werden.
charlie (29.10.05): Ein sehr guter Film. Fernab von all der klassischen Filmemacherei. Ohne Ende und ohne wirkliche Höhepunkte zieht Jarmusch den Film durch und erlaubt damit eine intensive Reflexion des Films. Die Story ist sicherlich nicht neu, aber die Aufmachung. Kein Standardfilm und für alle die etwas mehr wollen als nur Unterhaltung genau das Richtige.
sina gieselmann (14.10.05): das nenn ich mal konstruiert. schon in den ersten minuten war ich genervt von dem don-juan-holzhammer, indem jeder diesen vergleich ziehen musste und es zudem noch im fernsehen lief. ganz zu schweigen von der lolita-episode.. symbole für kurzsichtige, die langweilen. ich hatte mir deutlich mehr erwartet – mehr als das gefühl gerade einen billigen abklatsch von einem film wie lost-in-translation gesehen zu haben.
Michael (02.10.05): Ich empfand den Film aufgrund der ungewönlichen Bilder von Amerika, der tollen Darsteller und der interessanten Musik als sehr angenehm. Ich habe jedoch in einer Filmkritik gelesen, daß das Ende des Films zu den besten dieses Jahres gehören soll. Dies kann ich leider nicht teilen. Der Film hat nämlich kein Ende, er hört plötzlich auf. Und Murrays Erkenntnis über das Lebn in der Gegenwart war zu platt, um wahr zu sein.
guido (29.09.05): Eine starke schauspielerische Leistung von Bill Murray aber ansonsten ist der Film eine einzige große Enttäuschung. Man schaut den Film trotz gähnender Langeweile bis zum Ende, weil man hofft, im Finale für die Qual belohnt zu werden. Aber das plötzliche und völlig offene Ende des Films haut einen dann doch vom Hocker. Dieser Film war, abgesehen von 2-3 Lachern über die Mimik des Hauptdarstellers, reine Zeitverschwendung. Für den grandiosen Bill dann trotzdem noch 2 von 10 möglichen Brilliant-Handys.Sorry
joel (28.09.05): ein sehr langsamer film. farblos und ohne hoehepunkte. ich frage mich, wie der protagonist an seine vergleichsweise huebsche (ex-)freundin sherry gekommen ist und auch in der vergangenheit als "don juan" galt. einen langweiligeren und spießigeren typen kann man sich kaum vorstellen und der andauernde treu-doofe blick von bill murry ist nach wenigen minuten keinen schmunzler wert. auch die freundschaft zu seinen lebensfrohen nachbarn wirkt sehr konstruiert. die langatmigen (reise-)szenen mit rueckspiegelansichten sind auch nicht der bringer. von mir gibts deshalb nur 4 von 10 wiehernden Spielzeugpferden
hjb (27.09.05): Schoener Film.Bill Murray hat die Rolle von Don Johnsten super gespielt(srhr guter Ausdruck). Die Handlung könnte so statt gefunden haben. Kein Film mit Happyend (mal was anderes).
Insgesamt 12 Kommentare. Alle anzeigen
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