Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran
Drama, Frankreich 2003, 95 Minuten, ab 6
Originaltitel: Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran; Deutschlandstart: 25.03.2004 (Falcom); Regie: François Dupeyron; Produktion: Laurent und Michèle Pétin; Drehbuch: François Dupeyron nach dem Roman von Eric-Emmanuel Schmitt; Kamera: Rémy Chevrin; Schnitt: Dominique Faysse

mit Omar Sharif (Monsieur Ibrahim Deneji), Pierre Boulanger (Moses "Momo" Schmitt), Gilbert Melki (Momos Vater), Isabelle Renauld (Momos Mutter), Lola Naymark (Myriam), Anne Suarez (Sylvie), Mata Gabin (Fatou), Céline Samie (Eva)

Filmplakat
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Ibrahim (Omar Sharif) und Momo (Pierre Boulanger). Momos liebloser Vater (Gilbert Melki). Momo macht seine ersten Erfahrungen mit Prostituierten. Ibrahim hat sich ein neues Auto gekauft.

Ich dachte, dass Mosslems niemals Alkohol trinken. - Tja, richtig. Aber ich, ich bin ein Zufi. Das ist aber keine Krankheit. Das ist eine Philosophie. Obwohl es auch Philosophien gibt, die durchaus eine Krankheit sind. - Monsieur Ibrahim erklärt Momo seine Philosophie.

Plot: Paris in den frühen 60er Jahren: Moses (Pierre Boulanger) lebt mit seinem Vater (Gilbert Melki) in der Rue Bleue des Montmartre. Doch gerade jetzt, auf der Schwelle zwischen Teenager und heranwachsendem jungen Mann, erfährt er von ihm weder väterliche Zuneigung noch wirkliche Sympathie, von Einflussnahme und Führung ganz zu schweigen. Stattdessen muss er sich nur immer wieder den Vorwurf anhören, nicht wissbegierig zu sein und keine Bücher zu lesen. Seine ersten sexuellen Erfahrungen sammelt Moses mit den Prostituierten von der anderen Straßenseite, die er mit dem Geld bezahlt, das er seinem Vater stielt.
Doch nach und nach findet er in Monsieur Ibrahim (Omar Sharif), der einen kleinen Lebensmittelladen betreibt und den meisten im Viertel nur als der „Araber an der Ecke“ bekannt ist, einen Freund und schließlich sogar Ersatzvater. Von ihm lernt er die Dinge, die fürs Leben wirklich wichtig sind und die man in Büchern nicht findet.
Als sein Vater arbeitslos wird und ihn wenige Tage später mit einem verzweifelten Abschiedsbrief und etwas Geld zurücklässt, lebt Moses zunächst auf und genießt sein plötzlich freies Leben. Als er jedoch kurz darauf von dessen Selbstmord erfährt, flüchtet er sich zu Ibrahim, der ihn mit Freude nicht nur aufnimmt, sondern sogar adoptiert.
Um sein spätes „Vaterglück“ zu genießen, kauft Ibrahim ein Auto und beschließt, mit Moses in seine Heimat, die Türkei zu fahren und ihm dabei alles beizubringen, was ihn sein Leben gelehrt hat. Am Ende weiß Ibrahim nur, was in seinem Koran steht, doch wem sich das Leben offenbaren soll, der braucht keine Bücher...

Kritik: Die Geschichte vom heranwachsenden Schüler und dem alternden weisen Lehrer ist altbekannt und auch Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran erzählt hier nichts wirklich neues.
Doch nicht das „was“, sondern das „wie“ ist die Kunst der Magie und die erzeugen die beiden Hauptdarsteller mühelos. Hollywood-Araber Omar Sharif, der gerade dem älteren Publikum als Dr. Shivago unvergessen geblieben sein dürfte, feiert nach seinem kürzlichen Auftritt in Hidalgo hier sein Comeback.
Als Monsieur Ibrahim versprüht er mit für Hollywood untypischer, dafür aber umso effektvollerer Zurückhaltung Charme und eine ungebrochene Lebenslust, die durch die Freude an den kleinen Dinge erhalten geblieben ist. So lehrt er Momo, wie er Moses liebevoll nennt, was uns schon der große Charlie Chaplin näherzubringen versuchte: Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag. Dabei lässt er Ibrahim jedoch nie zu einem Lehrer werden, der die Weisheit mit Löffeln gegessen hat, sondern bleibt stets nur der alte Mann, der väterlich sein Wissen über das Leben und die Welt weiterzugeben versucht.
Ihm gegenüber gibt Pierre Boulanger in seinem Kinodebüt eine umwerfende Darstellung als Moses, der das Leben entdecken will, dabei jedoch alleine dasteht. Ergänzt wird das Duo durch einen tollen Soundtrack zwischen Oldies und Jazz, der Schwung und Leben in die Geschichte bringt.
Bemerkenswert ist auch die Kameraführung: Abgesehen von einer handvoll Szenen, wo tatsächlich ein Stativ zum Einsatz kam, wurde der Film komplett aus der Hand gedreht. Durch die damit einhergehenden gewissen Verwacklungen wird besonders gut der Charakter des Lebens in dem nicht besonders reichen Viertel des Montmartre wiedergespiegelt: Ein so anständiges wie ordentliches Leben, das sich aber oft am Existenzminimum bewegt und dennoch jeden Tag in vollen Zügen genießt, in einem ständigen Auf und Ab.

Fazit: Ein Genuss für Freunde der kleinen Filme, in denen es auf die Darsteller, ihre Rollen und eine schön erzählte Geschichte ankommt. Und mit der warmen französischen Sonne und der Mentalität des savoir vivre macht das Ganze umso mehr Spaß! 8 von 10 geklauten Konservendosen

Nikolas Mimkes
29.06.2004

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106 Stimmen
Schnitt: 5.3
cgi-vote script (c) corona, graphics and add. scripts (c) olasch

Leser-Kommentare:
la philo (15.07.11): Ein echt super Film, es macht richtig Spaß ihn anzuschauen!!!
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