The Tree of Life
Drama, USA 2011, 138 Minuten, ab 12, Prädikat: Besonder wertvoll
Originaltitel: The Tree of Life; Deutschlandstart: 16.06.2011 (Concorde Film); Regie: Terrence Malick; Produktion: Brad Pitt, Bill Pohlad u.a.; Drehbuch: Terrence Malick; Musik: Alexandre Desplat; Kamera: Emmanuel Lubezki; Schnitt: Hank Corwin Jay Rabinowitz

mit Brad Pitt (Mr. O'Brien), Sean Penn (Jack), Jessica Chastain (Mrs. O'Brien), Hunter McCracken (der junge Jack), Laramie Eppler (R.L.), Tye Sheridan (Steve), Fiona Shaw (Großmutter), Jessica Fuselier (Guide), Nicolas Gonda (Mr. Reynolds), Will Wallace (Architekt), Kelly Koonce (Pater Haynes), Bryce Boudoin (Robert), Jimmy Donaldson (Jimmy), Kameron Vaughn (Cayler), Cole Cockburn (Harry Bates) u.a.

Filmplakat
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Offizielle Website (Concorde Film )
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Jack O'Brien als erwachsener Mann.
Mr. O'Brien diskutiert mit seinen Söhnen. Mrs. O'Brien mit ihren Söhnen Jack und Steve. Jack O'Brien als erwachsener Mann.

Jeder ist seines Glückes Schmied. Jeder hat sein Schicksal in der Hand. Man darf nicht sagen: 'Kann ich nicht.' - Die Lebensphilosophie von Mr. O'Brian.

Plot: Einen Film wie The Tree of Life, der beim diesjährigen Filmfestival in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, auf einen Plot zu reduzieren, ist schon eine verdammt undankbare Aufgabe, da sich Regisseur Terrence Malick, eine der rätselhaftesten Figuren des US-Autorenkinos, herzlich wenig um konventionelle Dramaturgie schert, sondern vielmehr spirituelle Sinnfragen und philosophische Exkurse in den Mittelpunkt rückt, die – opulent bebildert – tatsächlich bis zur Entstehung des Universums zurückreichen. Hört sich etwas konfus an? Mag sein, aber einen Malick-Film zu schauen bedeutet im wahrsten Sinne, die (Kino)-Welt mit einem originellen Blick zu betrachten. Der dramatische Grundkonflikt von The Tree of Life wird aus der Perspektive von Jack O´Brien (Sean Penn) aufgerollt, der als erfolgreicher Architekt arbeitet, aber immer wieder von Erinnerungen an seinen verstorbenen jüngeren Bruder gequält wird.
In einer texanischen Kleinstadt der fünfziger Jahre aufgewachsen, leiden Jack (als Kind gespielt von Hunter McCracken) und seine zwei Brüder zunehmend unter den schroffen Erziehungsmethoden des Vaters (Brad Pitt), der von seinen Söhnen strenge Disziplin einfordert und die Botschaft vermittelt, dass nur der Stärkere sich in der Natur durchsetzen kann. Die Mutter (Jessica Chastain) wiederum verkörpert sinnbildlich das Prinzip der Gnade, einen alternativen Lebensentwurf, der für Spiritualität und Vergebung steht. Kein Wunder, dass es im Haus der O´Briens bald zu Spannungen kommt. Zumal der älteste Sohn Jack immer stärker gegen den autoritären Vater rebelliert.

Kritik: Um auf den vielleicht besten Film von Terrence Malick anzuspielen, ist es schon ein ziemlich schmaler Grat zwischen ambitioniert und prätentiös, gerade dann, wenn der Zuschauer nach wenigen Minuten mit einer wahren Bilderflut an Sinneseindrücken, vorzeitlichen Urknall-Impressionen oder im idyllischen Waldbach spazierenden Dinosauriern konfrontiert wird und sich nach einer Weile, wenn das Moment des Staunens ob der überwältigenden Schönheit der dargebotenen Szenen einer gewissen Skepsis weicht, zu fragen beginnt, was das alles denn nun mit der Geschichte der O´Briens zu tun hat?

Zum Glück kehrt der Film nach ausschweifenden kosmischen Farbimpressionen, bei denen man sich nie ganz sicher sein kann, was genau man da eigentlich sieht, in das Texas der fünfziger Jahre zurück und beobachtet die drei Familiensöhne dabei, wie sie ihre Kindheit in der Spannung zwischen den gegensätzlichen Einflüssen der beiden Elternteile erleben, wie sie ihre Nachbarschaft erkunden und dabei all jene Erfahrungen machen, die fast exemplarisch zum Aufwachsen dazu gehören. All diese Szenen sind absolut eindrucksvoll inszeniert, von Emmanuel Lubezkis schwereloser Kamera eingefangen, die zwischen den Akteuren einen Walzer aufzuführen scheint, verträumt und poetisch. Auch die Riege der Schauspieler überzeugt, vor allem Hunter McCracken als der junge Jack O´Brien und Brad Pitt als frustrierter Vater, der innerlich zerrieben ist von der Rolle, die er glaubt verkörpern zu müssen.
Es ist sicher kein Zufall, dass Chastain und Pitt in den Elternrollen lediglich als Mr. und Mrs. O´Brien auftreten, ohne individualisierenden Vornamen, da ihnen im Grunde keine Charakterrolle zugedacht ist, sondern die symbolische Verkörperung zweier dualer Prinzipien (Natur vs. Gnade), die The Tree of Life als die wirksamen Kräfte des Lebens ansieht. Einerseits ist dieser philosophische Ansatz durchaus interessant und in der Malick-Filmografie (etwa in The Thin Red Line) nichts Neues, aber diese Zuspitzung bewirkt natürlich auch, dass die Figuren etwas schematisch und somit auch abstrakt wirken. Brad Pitt spielt couragiert dagegen an, zu einem Klischee des toughen, gefühlsarmen Familienvaters der fünfziger Jahre zu werden, aber Jessica Chastain, strahlend und anbetungswürdig wie sie ist, verkommt doch etwas zu einem idealisierten Frauenideal, das fast zu schön ist um wahr zu sein.
Tatsächlich ist der gesamte Film mit opulenter Schönheit gesegnet, dazu erlesen untermalt von klassischen Komponisten wie Mozart, Smetana, Mahler oder Bach, mit recht wenigen Dialogen angereichert, dafür reichlich Voice over-Kommentaren, die als offene, teils kryptische Fragen an Gott, oder zumindest eine waltende metaphysische Kraft gerichtet sind, bis hin zu einer finalen Vision eines Strandes, der Versöhnung und paradiesische Erlösung verspricht. Man muss nicht gläubig sein, um sich davon berauschen zu lassen, aber man muss auch kein Zyniker sein, um das manchmal etwas prätentiös und anstrengend zu finden.

Fazit: Visuell berauschendes, großartig fotografiertes Drama, jedoch thematisch überladen und arg symbolbefrachtet: 7 von 10 Dinosaurier, die noch mal Gnade walten lassen!

Dominik Rose
23.06.2011

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Schnitt: 4.5
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