Stellas Versuchung
Drama, Großbritannien/Irland 2005, 90 Minuten, ab 16
Originaltitel: Asylum; Deutschlandstart: 29.03.2007; Regie: David Mackenzie; Produktion: David E. Allen, Laurie Borg u.a.; Drehbuch: Patrick Marber, Chrysanthy Balis nach dem Roman von Patrick McGrath; Musik: Mark Mancina; Kamera: Giles Nuttgens; Schnitt: Colin Monie, Steven Weisberg

mit Natasha Richardson (Stella), Ian McKellen (Peter Cleave), Hugh Bonneville (Max Raphael), Marton Csokas (Edgar) u.a.

Filmplakat
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Plot: England in den 50ern: Stella (Natasha Richardson), Frau eines Anstalt-Psychaters (Hugh Bonneville), verliebt sich in einen von dessen Patienten, der unter dem Verdacht steht, seine Frau ermordet zu haben. Während ihr Mann Max in Arbeit versinkt und auch sonst nicht viel für die Romantik und Leidenschaft seiner Frau übrig hat, stellt Edgar (Marton Csokas) für sie eine Zuflucht dar, die in einer alles verändernden sexuellen Affäre endet.
Als er wenig später fliehen und in London untertauchen kann, folgt sie ihm und trifft ihn unter dem Vorwand, Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Nach kurzer Zeit merkt sie jedoch, dass die Beziehung mit Edgar, der ebenfalls in seiner Arbeit als Künstler aufgeht, keine Zukunft hat. Gleichzeitig ist ihr aber auch bewusst, dass die Rückkehr zu ihrem Mann
unmöglich ist, der sie mit Macht und Stärke beherrschen zu müssen meint. Wegen ihres kleinen Sohnes Charlie kehrt sie dennoch zurück, versinkt durch Max’ nun noch verstärktes Machtgebaren jedoch immer weiter in Lethargie.
Als Charlie bei einem Schulausflug ertrinkt, zerbricht ihre Welt und die ihres Mannes endgültig. Als Edgar wieder auftaucht und nicht von ihr loslassen will, wird er verhaftet. Zusammen mit Stella, die mittlerweile ihren mentalen Boden unter den Füßen verloren hat, lässt Max ihn wieder in der Anstalt einweisen, unter der Kontrolle seines dortigen ehemaligen Chefs (Ian McKellen). Als der nun Kontrolle über Stella hat, kommt zum Vorschein, dass auch er es von Anfang an auf sie abgesehen hatte. Doch die daraus entstehende Beziehung ist ebenfalls durch die sich wiederholenden intriganten Machtspiele zum Scheitern verurteilt.

Kritik: Asylum ist ein düsteres Gesellschaftsportrait, das ähnlich wie Monster zeigt, dass es die vermeintlich gesunde, anständige Schicht ist, an der die Welt krankt. So sind es auch hier bezeichnenderweise die Psychiater, die die eigentlichen Kranken, von Macht, Moral, gesellschaftlichen Zwängen und Kontrolle Besessenen sind und ihre Therapien selbst am nötigsten hätten. Zudem besticht der Film durch die Konsequenz, mit der die äußere Welt die Gefühle bzw. das Seelenleben seiner Darsteller widerspiegelt. Zuletzt wandte dieses Prinzip so gut wohl nur Brad Anderson mit The Machinist an.
Im Fokus der Handlung steht Stella, die von Anfang an eine Gefangene der Männer ist, die sie im Grunde alle nur kontrollieren wollen, da sich ihr freizügiges und offenes Wesen nicht mit der vorherrschenden Gesellschaft und deren Weltanschauung vereinbaren lässt. Während die Welt der Anstalt (außerhalb der Mauern) ihr Gefängnis ist, ist der Garten ihres Hauses ihr goldener Käfig.
Und hier wählt Regisseur Mackenzie ein geschicktes Bild für die sich entwickelnde Liebesgeschichte. Denn Stella lernt Edgar in einem kaputten gläsernen Gewächshaus kennen; eine Szene, die sich im Laufe der Geschichte in Variationen wiederholt.

Ihr Leben ist grundsätzlich etwas fruchtbares, produktionsfähiges, jedoch an diesem Ort verfallen und reparaturbedürftig. Und dazu ist nur derjenige fähig, der sich in seinem Denken und seiner Art der unmenschlich wirkenden Gesellschaft entgegenstellt, die ihn mitunter deswegen als verrückt bzw. nicht gesellschaftsfähig erklärt. Auch ist Edgar der einzige, der sie aufrichtig liebt und begehrt, allerdings ist auch er, wenn auch auf andere Weise, ebenso gestört wie die anderen Männer in ihrem Leben. Die Beziehung beginnt in einem Scherbenhaufen und kann somit auch nur in einem solchen enden, das impliziert Mackenzie deutlich von Anfang an. Somit gerät Stella logischerweise auch nur vom Regen in die Traufe, als sie sich aus der äußerlich heilen, aber hinter der Fassade kaputten Welt in Edgars Arme flieht. Doch selbst in London wohnt der in einer Barackenwohnung, die äußere Welt bleibt heruntergekommen und kaputt, lediglich das Leben darin erscheint warm, frei und lebenswert, zumindest auf den ersten Blick. Doch auch Edgar kann ihr keine Zukunft bieten, ist er zwar keinen gesellschaftlichen Zwängen unterworfen, dafür aber seinen eigenen.
Für Stella aber gibt es keinen Ausweg aus ihrer Welt. Als sie für ihren Sohn zu Max (Hugh Bonneville, Man to Man) zurückkehrt, beschließt der, in die ländliche Provinz von Irland umzuziehen, um seine Frau endgültig unter Kontrolle zu haben und ihr keine örtlichen Fluchtmöglichkeiten mehr zu ermöglichen. Die Trostlosigkeit und Leere der Provinz spiegeln nun direkt Stellas Gefühle wieder, die zunehmend den Boden unter den Füßen verliert. Eine Lethargie, gegen die noch nicht einmal mehr die Liebe zu Charlie ankommt, so dass sie geistesabwesend zusieht, wie der bei einem Ausflug ums Leben kommt, der Abgrund ihres Lebens sich unaufhaltsam öffnend, die Katastrophe ankündigend.
Die Beziehung zu dem wiederauftauchenden Edgar, den sie als einzigen wirklich liebt, endet dann auch wieder symbolträchtig in einer Burgruine auf dem Land, wo ihn aus dem Hinterhalt auftauchende Polizisten verhaften. Innerlich beinahe schon tot endet die Geschichte für sie dort, wo sie begonnen hat, nämlich in der Anstalt.
Parallelen zu Hitchcocks Vertigo sind deutlich erkennbar, auch in einigen Einstellungen sowie dem Klimax. Peter Cleave (Ian McKellen, Der Herr der Ringe) versucht als Letzter, sie für sich zu gewinnen, spielt aber nur seine Macht als Psychiater an ihr aus, seine Intrigenspiele in Bezug auf Edgar nehmen Stella die letzte Hoffnung und Lebensfreude. Letztlich gibt es für sie nur eine Befreiung aus ihrem Leben: Den Männern die Macht über ihr Leben zu nehmen.

Fazit: Gelungenes Portrait einer Frau, deren Leben durch die in ihren Zwängen gefangene Gesellschaft des England der 50er Jahre langsam zugrunde geht. Und das beinahe ohne Klischees und Stereotype. Anspruchsvoll, bewegend und dazu filmtechnisch einfallsreich. 8 von 10 grünen Flaschen an der Wand.

Nikolas Mimkes
19.04.2005

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