Die Nacht singt ihre Lieder
Drama, Deutschland 2004, 95 Minuten, ab 6
Originaltitel: Die Nacht singt ihre Lieder; Deutschlandstart: 19.02.2004 (Prokino); Regie: Romuald Karmakar; Produktion: Ernst Ludwig Ganzert, Udo Happel, Romuald Karmakar; Drehbuch: Martin Rosefeldt; Kamera: Fred Schuler; Schnitt: Patricia Rommel; Kostüme: Bettina Helmi

mit Frank Giering (Junger Mann), Anne Ratte-Polle (Junge Frau), Manfred Zapatka (Vater), Marthe Keller (Mutter), Sebastian Schipper (Baste)

Filmplakat
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Das Paar bekommt einen Kurzbesuch von seinen Eltern. Sie geht ohne ihn auf die Piste. Viel zu sagen haben sie sich eigentlich nicht mehr. Sie packt ihre Sachen.

Ich halt das nicht mehr aus. ... Nein, ich schaff das nicht. ... Wir können so nicht weiterleben. Du liegst da und liest. Du gehst nicht raus. Du tust nichts. Wir haben kein Geld, du hast keine Arbeit. Nichts haben wir, nichts. Früher bist du wenigstens noch einkaufen gegangen oder zur Post. Rausfahren woll'tst du ja nie. Ich bin immer gern rausgefahren. Früher, ja, bevor ich dich getroffen habe bin ich immer viel unterwegs gewesen. - Die junge Frau redet auf ihren Freund ein.

Plot: Ein junges Paar in der gemeinsamen Wohnung. Sie haben ein kleines Baby.
Er ist lethargisch, passiv, fast wie gelähmt. Jahrelang hat er es erfolglos als Schriftsteller versucht, doch keines seiner Manuskripte wurde von einem Verlag angenommen. Immer mehr verkriecht er sich in der Wohnung, bis er schließlich nicht mehr vor die Tür geht. Tagaus, tagein liegt er auf dem Sofa und liest.
Sie ist der Gegenpol: Energisch, voller Energien, die aber ziellos sind. Nicht wirklich weiß sie mit ihrem Leben etwas anzufangen. Was sie weiß, ist, dass sie so ereignislos nicht leben möchte. Sie möchte raus, etwas erleben, lebendig sein. Doch mit ihrem Freund ist das nicht möglich.
Sie macht ihm Vorwürfe: Du gehst ja nicht raus! Es besucht uns ja keiner! Das halte ich nicht mehr aus! Er sitzt schweigend daneben. Seine Eltern kommen zu Besuch um das Baby zu sehen. Das Verhältnis schein äußerst distanziert und sie verschwinden schnell wieder. - In einer unendlichen Litanei macht sie ihm weiter Vorwürfe...

Kritik: Kann man aus jedem Theaterstück einen Film machen? Vielleicht. Doch den Beweis, dass dies zumindest mit dem Stück "Die Nacht singt ihre Lieder" von Jon Fosse funktioniert, bleibt Romuald Karmakar (Das Himmler Projekt, Der Totmacher) schuldig. Denn eins hat er bei der Umsetzung doch glatt übersehen: Der Film folgt eigenen Gesetzen und nicht alles, was auf der Bühne funktioniert, ergibt auch ein gutes Stück Zelluloid.
Der Film Die Nacht singt ihre Lieder ist immer noch eigentlich ein Zweipersonenstück, in dem bis auf den dramatischen Schluss nichts passiert außer dem Gerede zwischen der "jungen Frau" und dem "jungen Mann". - Obwohl auch fast nur sie spricht. Denn sie macht ihm Vorwürfe. Immer und immer wieder dieselben. Jeder Satz, jeder Vorwurf, jede Anschuldigung wird zehnmal wiederholt und paraphrasiert. Und zwar in so überdramatisierter theatralischer Weise, dass dies ziemlich schnell zur Belustigung führt.
Erst ging nach 20 Minuten leises vereinzeltes Kichern durch den Saal, nach und nach nahm das (falsche) Amüsement zu, bis man zum Schluss den Eindruck hatte, man säße in einer Komödie: ein Brüller nach dem anderen.
Was dieser Film im Wettbewerb der Berlinale zu suchen hatte, bleibt mir rätselhaft. Man kann ihn eigentlich nur verunglückt nennen. Romuald Karmakar? Sechs! Setzen!

Fazit: Überkonstruierter, langweiliger und unfreiwillig komischer Film. 3 von 10 abgelehnten Manuskripten

Olaf Scheel
11.02.2004

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863 Stimmen
Schnitt: 5
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Leser-Kommentare:
John Doe (11.12.05): Warum letztendlich so übertreiben? Der Film ist O.K., auch wenn der Tod des Hauptdarstellers leider vorhersehbar war. Auch obige Kritik halte ich für emotional übertrieben. Silvia
Nikolas (17.02.04): Olafs kritik habe ich nichts mehr hinzuzufügen!:
als theaterstück mag das vielleicht funktionieren, im kino hat das nichts zu suchen...
für freunde unfreiwilligen humors dagegen ist der film genau das richtige!
für die unbeabsichtigten lachkrämpfe und den soundtrack gibt's noch 2 von 10 einsilbigen antworten

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