Jagoda im Supermarkt
Drama, Serbien/Deutschland/Italien 2002, 92 Minuten, ab n.V., OmU
Originaltitel: Jagody u Supermarketu; Deutschlandstart: nicht bekannt (Pegasos); Regie: Dusan Milic; Produktion: Emir Kusturica; Buch: Dusan Milic; Musik: Nele Karajlic, Dejan Sparavalo; Kamera: Petar Popovic; Schnitt: Svetolik Zajc; Kostüme: Zora Popovic

mit Branka Katic (Jagoda), Srdjan Todorovic (Marko Kraljevic), Dubravka Mijatovic (Ljubica), Goran Radakovic (Nebojsa), Danilo Lazovic (Sef), Mirjana Karanovic (Sefica), Nikola Simic (Kobac), Zorka Manojlovic (Baba)

Internet Movie Database (de/us)
Offizielle Homepage (Pegasos de)

Plot: Jagoda (Branka Katic), eine Frau um die Dreißig, arbeitet als Kassiererin in einem großen Supermarkt
in einer Großstadt in Jugoslawien. Um genau zu sein, stellt der "American Supermarket" so ziemlich alles in den Schatten, was man in der Stadt bisher gesehen hat. Keinerlei Wünsche offen lassend, soll der Supermarkt den Bürgern des kriegsgeschüttelten Landes einen kleinen Vorgeschmack auf den materiellen Wohlstand bieten, den die neugewonnene Demokratie verspricht.
Inmitten des ganzen Konsums sehnt sich die eher unscheinbare Jagoda allerdings vielmehr nach menschlicher Zuneigung. Voller Vorfreude fiebert sie einem blind date mit einem Mann entgegen, den sie über eine Kontaktanzeige kennengelernt hat.
Dann geschieht etwas völlig Unerwartetes: Ein schwer bewaffneter Mann (Srdjan Todorovic) stürmt wild um sich schießend den Supermarkt und nimmt sämtliche Kunden und Mitarbeiter als Geiseln. Sein Motiv: Er will die Kassiererin ausfindig machen, die sein Großmutter vor die Tür setzte. Was dabei niemand ahnt ist, dass ausgerechnet Jagoda ihren privaten Frust an dem Mütterchen ausgelassen hat. Nach kurzer Zeit gehen vor der Tür bereits Spezialeinheiten in Stellung, die das Gebäude am Liebsten ohne Rücksicht auf Verluste stürmen würden. Währenddessen kommt es drinnen jedoch zu absurden Verwicklungen und einigen Dramen. Und natürlich ist es ausgerechnet Jagoda, die sich immer stärker zu dem linkischen Geiselnehmer hingezogen fühlt.

Kritik: Jogada im Supermarkt ist ein überdrehter und in Teilen witziger Film, der gerade dadurch die Lacher auf seiner Seite hat, da im Endeffekt kein einziger der Charaktere ernst gemeint ist. Der "american supermarket" ist ein einziger Seitenhieb auf die materielle Überflussgesellschaft, in der keine käuflichen Wünsche offen bleiben.

Aber abgesehen von allen politischen Hintergründen ist es zum Schreien komisch, mit anzusehen, wie Srdjan Torodovic alias Marko wutentbrannt den Supermarkt stürmt und dabei ungeschickt in jedes nur mögliche Fettnäpfchen tritt. Die Geiseln, allen voran Jagoda, sind somit weniger verängstigt als vielmehr amüsiert. Jagoda, die beinahe sofort Sympathien für Marko entwickelt, hilft diesem erstmal ein wenig auf die Sprünge und zeigt ihm, wie man "vernünftig" Geiseln nimmt.
Soweit der witzige und gelungene Teil des Films. Und damit sind wir bei beim entscheidenden Problem angekommen: Wo die erste Hälfte gut gelungen, schrill und abgedreht ist und man aus dem Lachen kaum herauskommt, ist die zweite nur noch nervig und blöd. Markos Tollpatschigkeit verlieren an Witz, die unfähige Polizei, der sich in die Hosen machende Scharfschützen - General, die beiden Einbrecher und die wilden das Supermarktangebot zerlegenden Ballereien sind eher lächerlich und langweilig als lustig. Liebesgeschichte hin oder her, aber das passt hier alles einfach nicht zusammen. Wer von Eliteeinheiten umstellt ist, schläft nicht einfach mit einem hübschen Mädel in den Armen ein oder fängt an, einen Kuchen zu backen, auch wenn's eine Satire ist.
Wer sich auf sehr naiven Humor alá Jay und Silent Bob schlagen zurück einlassen kann, wird auch in der zweiten Hälfte was zu Lachen haben. Wer das nicht kann, für den wird die zweite Hälfte im negativen Sinn wieder alles wettmachen, was die erste an witzigem Potential aufgebaut hat.

Fazit: Was die Botschaft und die Umsetzung angeht, ist hier deutlich der gute Wille zu erkennen. Leider ist den Machern auf halber Strecke der Witz ausgegangen, der von da an durch Lächerlichkeit abgelöst wird... Schade! Für die gelungene erste Hälfte gibt's aber entsprechende 5 von 10 Überraschungseiern

Nikolas Mimkes
29.06.2003

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