City of God
Drama, Brasilien/Frankreich/USA 2002, 128 Minuten, ab 16
Originaltitel: Cidade de Deus; Deutschlandstart: 08.05.2003 (Constantin Film); Regie: Fernando Meirelles; Produktion: Andrea Barata Ribeiro, Mauricio Andrade Ramos; Drehbuch: Bráulio Mantovani nach dem Roman von Paulo Lins; Musik: Antônio Pinto, Ed Côrtes; Kamera: César Charlone; Schnitt: Daniel Rezende; Kostüme: Bia Salgado; Ton: Martin Hernandez Guilherme Ayrosa, Paulo Ricardo Nunes

mit Luis Otávio (Buscapé (als Kind)), Alexandre Rodrigues (Buscapé als Erwachsener), Leandro Firmino da Hora (Zé Pequeño, genannt Locke), Matheus Nachtergaele (Sandro Cenoura, genannt Karotte), Seu Jorge (Mane Galinha), Phelipe Haagensen (Bené), Jonathan Haagensen (Cabeleira), Douglas Silva (Dadinho), Daniel Zettel (Thiago), Renato de Souza (Marreco)

Internet Movie Database (de/us)
Offizielle Homepage (Constantin Film de)
Trailer (Constantin Film de)

Ein einziges Foto sollte mein Leben ändern. Es gibt bei uns so einen Spruch: Wenn du wegläufst, fangen sie dich. Und wenn du bleibst, fressen sie dich. So war es schon immer, seit ich denken kann. - Buscapé im Zentrum des Interesses

Plot: Rio de Janeiro, weitab von allem, was wir von den Hochglanzpostkarten her kennen. Der kleine Buscapé, der unbedingt Fotograf werden will, berichtet als Erzähler von seiner Welt und denen, die in ihr leben und mit denen er aufwächst:
Der durch die Wirtschaftskrise verarmte Mittelstand wurde durch die Regierung in ein Neubauviertel am Rande Rios umgesiedelt: die Cidade de Deus. Die Bevölkerung lebt zu großem Teil in Armut, die meisten Jugendlichen sind Kleinkriminelle, nur die Wenigsten haben Arbeit oder gehen zur Schule.
Alle leben in einem Sumpf aus Verbrechen, in dem durch die Aussichtslosigkeit hohe Gewaltbereitschaft und wenig Skrupel herrscht. Die populärste Jugendgang sind die "Wild Angels", drei Halbstarke, die zwar mit Pistolen herumwedelnd den großen Mann markieren, aber im Grunde keine Ahnung vom zielstrebigen und planvollen Gangsterdasein haben.
Doch dann will "Löckchen" mitmachen. Zwar ist der noch keine zehn Jahre alt, hat aber mehr auf dem Kasten als die anderen zusammen. Der erste gemeinsame Coup, ein Überfall auf ein Bordell, endet in einem erfolglosen Blutbad und geht in die Geschichte des Landes ein. Die Wild Angels lösen sich danach auf, aber Löckchen macht sich über die Jahre einen Namen als gefürchteter und skrupelloser Killer. In der Stadt Gottes besteht die Aussicht auf ein kriminell erfolgreiches Leben. Hier regiert das große Geschäft mit den Drogen. Doch anstatt sich langsam bei einem Drogenbaron hochzuarbeiten, erschießt Löckchen kurzerhand alle und ist innerhalb eines Tages "Locke, der Boss", der Herr über die Stadt.
Aber er ist nicht der einzige, der es auf Geld und Macht abgesehen hat. Und dem ewigen Strudel von Gewalt und Verbrechen kann am Ende niemand entrinnen.

Kritik: City of God ist ein schonungsloser und drastischer Einblick in die Welt abseits des Tourismus, die außer der Kriminalität kaum Zukunft bietet. Und die muss man quasi im Blut haben. Die Szene, in der Löckchen amüsiert lachend seine Freude am Töten entdeckt, lässt einem unspektakulär das sprichwörtliche Blut in den Adern gefrieren.
So vollzieht sich während des gesamten Films ein ständiger Generationswechsel. Die Wild Angels werden von Löckchen abgelöst, der nicht nur den Durchblick, sondern auch die nötige Entschlossenheit besitzt. Doch am Ende wird auch er von den neu entstehenden Jugendgangs abgelöst, denn der die Kreise ziehen sich immer weiter.
Durch
Buscapés Bericht werden wir mit der schonungslosen Realität der Kids konfrontiert, mit ihren Rivalitäten untereinander, mit der Aussichtslosigkeit des Versuches ein ehrliches Leben anzufangen und mit dem Drogengeschäft, das am Ende auch keine Zukunft bietet.
Was an dem Film am meisten beeindruckt, ist die Art des Erzählens.
Buscapé führt nach und nach immer mehr Personen und ihre Hintergründe in die Geschichte ein, so das man beinahe den Überblick verliert. Dennoch passt sich jede Figur in die Handlung ein und findet dort ihren Platz. Viele Situationen erleben wir doppelt, nur aus einem anderen Blickwinkel, so dass danach ein neuer Strang seinen Lauf nimmt.
Aber wie alle Wege nach Rom führen, führen auch hier alle Stränge im "großen Finale" zusammen. Und in dem kommt letztendlich niemand ungeschoren davon, wenn überhaupt.
Was auch sehr schön gelungen ist, ist die Kameraführung: Zwar kann man City of God ansehen, dass er mit größeren Mitteln produziert wurde, dennoch sind die meisten Einstellungen aus der Hand gefilmt und dementsprechend wackelig oder auch mal unscharf, ähnlich wie bei Traffic. Dies verleiht dem Film einen unglaublich dokumentarischen Charakter, wüsste man es nicht besser, man würde denken, es wäre real.

Fazit: Einfühlsam, schonungslos, authentisch. Portrait einer verlorenen Generation. Geht so tief unter die Haut, weil es so echt ist. Zu sowas ist Hollywood leider nicht in der Lage. 10 von 10 Hetzjagden auf ein Huhn

Nikolas Mimkes
19.05.2003

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47 Stimmen
Schnitt: 5.4
cgi-vote script (c) corona, graphics and add. scripts (c) olasch

Leser-Kommentare:
bille (06.01.07): weiss denn jemand was für eine brille bene im film auf hatte? finde die brille echt klasse! konnte leider nichts über die brille herraus finden von welcher marke oder woher sie ist. würde mich freuen wenn jemand im forum info über die brille hat. vielen dank im vorraus
bille (06.01.07): weiss denn jemand was für eine brille bene im film auf hatte? finde die brille echt klasse! konnte leider nichts über die brille herraus finden von welcher marke oder woher sie ist. würde mich freuen wenn jemand im forum info über die brille hat. vielen dank im vorraus
momo (27.03.06): sehr gut hoffe es wird noch mehr solche filme geben ich warte auch schon drauf sehr gut gemacht????
locke der Stecher (14.03.05): City of god ist der beste film überhabt
Jan (18.11.03): Einer der besten Filme des Jahres. Gleiches Thema wie Gangs of New York aber tausendmal besser. Unbedingt zu empfehlen.
Olaf (20.05.03): *puh* Was für ein Wahnsinn! Fernando Meirelles führt uns in eine Hölle aus Gewalt, Mord und Totschlag. Wie in der authentischen Romanvorlage von Paulo Lins wird diese Hölle von hunderten Charakteren bevölkert, die schneller erschossen werden als dass man sich ihre Namen merken könnte. Die stellenweise fast dokumentarisch anmutende Kamera unterstützt dabei den Eindruck, dass es aus diesem Elend kein Entkommen geben kann.
Der ständige darwinistische Kampf zwischen nachwachsenden und aussterbenden Gangstern verdeutlicht vortrefflich, dass die hauptsächlich in den 70ern spielende Geschichte auch heute noch ihre Gültigkeit haben wird. - Hervorragend wird dabei auch der Zeitgeist eingefangen, da die Kamera oft an Blaxploitation und Shaft-Filme erinnert.
Schlicht: Ein Meisterwerk! Für mich einer der sehenswertesten Filme des Jahres. 10 von 10 aus Versehen entwickelte Fotos

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