Spurwechsel
Drama, USA 2002, 99 Minuten, ab 12
Originaltitel: Changing Lanes; Deutschlandstart: 07.11.2002 (UIP); Regie: Roger Michell; Produktion: Ronald M. Bozman, Scott Rudin, Adam Schroeder; Buch: Chap Taylor; Schnitt: Christopher Tellefsen; Kamera: Salvatore Totino; Musik: David Arnold; Kostüme: Ann Roth

mit Ben Affleck (Gavin Banek), Samuel L. Jackson (Doyle Gipson), Kim Staunton (Valerie Gipson), Toni Collette (Michelle), Sydney Pollack (Stephen Delano), Tina Sloan (Mrs. Delano), Richard Jenkins (Walter Arnell), Akil Walker (Stephen Gipson), Cole Hawkins (Danny Gipson), Ileen Getz (Ellen), Jennifer Dundas (Mina Dunn), Matt Malloy (Ron Cabot), Amanda Peet (Cynthia Banek), Myra Lucretia Taylor (Judge Abarbanel), Bruce Altman (Joe Kaufman)

Internet Movie Database (de/us)
Offizielle Homepage (UIP de)
Trailer (UIP de)

Hören Sie, Sir. Bitte! Es gibt keine Entschuldigung für mein Verhalten. Es tut mir leid. Ich weiß nicht, wie ich das wieder gut machen kann. Es sei denn: Ich kauf Ihnen ein neues Auto. - Was, Geld? Sie, Sie, Sie denken, ich will bloß Geld? Ich will nur eins: Diesen Morgen wiederhaben. Ich will, dass Sie mir meine verlorene Zeit zurückgeben. Können Sie mir meine Zeit zurückgeben? Können Sie mir meine verlorene Zeit zurückgeben? Häh? Können Sie das? - Moment mal, ja. Ganz ruhig. Ist ja gut. - Damit Sie nicht nach Oregon zieht. Damit sie mir nicht die Jungs wegnimmt. Damit sie in das Haus einzieht. Damit ich Vater sein kann. Nur 20 Minuten, können Sie mir die wiedergeben? - Gavin und Doyle im Streit

Plot: Wir befinden uns im Straßenverkehr von New York. Zwei Männer sind in ihren Autos auf dem Weg zu einem wichtigen Termin. Der eine ist Gavin Banek (Ben Affleck), ein junger, aufstrebender Yuppie-Anwalt, der zum Gericht muss, um für seine Kanzlei wichtige Akten vorzulegen. Der andere ist Doyle Gipson (Samuel L. Jackson), ein geschiedener Familienvater, der als trockener Alkoholiker gerade wieder dabei ist, sein Leben in den Griff zu bekommen und ebenfalls auf dem Weg zum Gericht ist, um bei einer Verhandlung für das gemeinsame Sorgerecht für seine beiden Söhne zu kämpfen. Da passiert es: In der Hektik rammt Gavin beim Spurwechsel das Auto von Doyle, der daraufhin gegen eine Absperrung fährt. Doyle möchte alles so regeln, wie es seine Ordnung hat, doch Gavin stellt ihm schnell einen Blanko-Scheck aus, lässt ihn stehen und fährt weiter.
Als Gavin schließlich im Gerichtssaal ankommt, stellt er fest, dass er eine wichtige Akte am Unfallort verloren hat. Dieser Fehler könnte ihn seine Karriere kosten. Doyle hat die Akte derweil gefunden, kommt aber zu spät zu seiner Verhandlung und muss das alleinige Sorgerecht seiner Ex-Frau überlassen. Gavin würde alles tun, um wieder an die Akte zu kommen und Doyle ist stinksauer und würde sich am liebsten an Gavin rächen. Ein selbstzerstörerischer Kleinkrieg zwischen den beiden beginnt...

Kritik: Spurwechsel!!! Selten ist ein Filmtitel passender ausgewählt worden, da er wirklich aus mehreren Blickwinkeln auf den Filminhalt anwendbar ist. Und so vielschichtig wie der Filmtitel zu verstehen ist, so vielschichtig ist der Film selbst auch. Wir haben es hier mit zwei Menschen zu tun, deren Leben durch einen kleinen Spurwechsel auf einer Straße aus der Bahn gerät und sich völlig verändert. Beide Menschen sind grundverschieden, haben aber beide mit existenziellen Problemen zu kämpfen. Und beide werden nun mit der Situation konfrontiert, dass ihre berufliche bzw. familiäre Zukunft im Begriff ist, völlig zerstört zu werden.

Der Film stellt die Frage, wozu Menschen in so einer Situation, bei der sie sich in die Enge gedrängt fühlen oder bei der sie nichts mehr zu verlieren haben, fähig sind.
Was in einem, wie der Trailer vermuten lässt, simplen und oberflächlichen Rachethriller hätte enden können, machen Regisseur Roger Michell (Notting Hill) und die Drehbuchautoren Chap Taylor und Michael Tolkin zu einem hervorragenden Psychogramm über zwei Männer, die zum Teil nur noch instinktiv und ohne über die Folgen nachzudenken handeln. Dieser Film ist ein anspruchsvolles Psychodrama, das sich mit der Moral und Ethik der Handlungsweisen von Menschen befasst. Dabei gibt es aber nicht nur gut und böse, schwarz und weiß, sondern beide Männer zeigen auch ein schlechtes Gewissen und Gefühle. Beide haben immer wieder die Wahl, ihre Taten und Handlungsweisen zu ändern, also "die Spur zu wechseln". Ob, und wenn ja, in wie weit sie das tun, sei hier nicht verraten.
Doch das Drehbuch beschränkt sich nicht nur auf die beiden Hauptprotagonisten, sondern zeigt auch die Handlungen der anderen Charaktere möglichst differenziert und hält somit der Gesellschaft im Allgemeinen einen Spiegel vor. Jeder sollte sich fragen, wie man selbst in den diversen Situationen handeln würde und ob diese Handlungsweise dann wirklich immer richtig ist, oder ob dadurch ein anderer Mensch gefühlsmäßig verletzt oder auf andere Art benachteiligt wird. Wie weit würde man für seine eigenen Vorteile gehen? Wie sehr lässt man sich selbst durch die Handlung einer andern Person beeinflussen oder zu einem "Spurwechsel" verleiten?
Spurwechsel ist kein Actionthriller und auch kein Falling Down, wo jemand komplett ausrastet. Der Film zeigt eindringlich und auch durchaus spannend das Auf und Ab im Gefühlsleben von Doyle und Gavin, wobei er hauptsächlich von den Schauspielern und den Dialogen lebt und getragen wird. Hierbei muss die wirklich sehr gute schauspielerische Leistung von allen und ganz besonders von Samuel L. Jackson hervorgehoben werden. Gerade Jackson, der im realen Leben selbst ein trockener Alkoholiker ist, spielt seine Rolle überzeugend und mit Leidenschaft.
Leider hat der Film für mich zwei Mankos: Zum einen hätte er hier und da doch etwas mehr Tempo bzw. Spannung vertragen können. Zum anderen nerven die wackelnden Bilder der zum Teil verwendete Handkamera doch emens. Das ist aber im Gesamtbild betrachtet nicht weiter schlimm.

Fazit: Der Film ist ein anspruchsvolles und hervorragend gemachtes Psychogramm zweier Menschen und der Gesellschaft im Allgemeinen, der allerdings nichts für diejenigen ist, die ein reißerisches Actionkino bevorzugen. Von mir gibt es trotz der zwei erwähnten Mankos 9 von 10 Erbeinsetzungsverträgen

Sebastian Schwarz
09.11.2002

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315 Stimmen
Schnitt: 5.1
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Leser-Kommentare:
Fr@nk (21.06.03): "Routiniert in Szene gesetzt und gut besetzt, scheitert der Film, weil er den Charakteren an einem einzigen Tag allzu viele psychologische Kehrtwendungen zumutet und damit mehr auf emotionale Effekte als auf Glaubwürdigkeit setzt."
HarryAngel (22.04.03): super Film.Mehr kann man dazu nicht sagen!!! 9 von 10 Autounfällen
Andreas Heimbrecht (27.12.02): Interessanter Thriller. Und endlich wird der Grosstadt-Jungel New York mal nicht als die reinste Idylle, sondern als blasser, unmenschlicher Betonklotz voller eitler, von Ignoranz geprägter Bürger dargestellt. 8 von 10 Punkten!
Jodie (22.11.02): naja, ging so, die besten Schauspieler hätte man hierfür wirklich nicht verschwenden müssen. Aber Ben Affleck ist immer ein Anblick wert.
jojo (21.11.02): super Schauspieler verschwendet.. Unterm Strich einfach zuviel gäääähn, obwohl ich jemand bin, der auch "leise" Filme schätzen kann. Aber ich habe mich wiete Stellen gelangweilt. 4 von 10 neuen Häusern
Sandra Plich (18.11.02): Also eigentlich hat Sebastian schon alles gesagt und ich kann mich dem nur voll und ganz anschließen. Hervorzuheben wären vielleicht noch, die wirklich sehr gut gelungenen Übergänge im Film von dem Leben des einen Protagonisten zu dem des anderen, die beinahe schon fließend ineinander übergehen. Ich fand die Handkamera nicht wirklich nervend eher gewöhnungsbedürftig, aber dafür sind die Licht- und Schattenspiele hervorragend in Szene gesetzt worden und verleihen dem Film viel zusätzliche Tiefe. Abschließend sei gesagt, dass auch die schauspielerische Leistung von Ben Afflek wirklich klasse war. Banek befindet sich oft am Rande des Wahnsinns, aber er stürzt niemals ab. Er fängt sich immer wieder und versucht zu retten was zu retten ist, eben genau wie im richtigen Leben! 9 von 10 hartnäckigen Anwalts-Praktikanten!
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